Vorstellung meiner mobilen Werkzeugkiste

Hier werden Holzprojekte diskutiert, die vorwiegend mit Handwerkzeugen und nicht mit Maschinen realisiert werden. Hier ist auch ein Platz für traditionelle Oberflächenbehandlung von Holz. Ebenso geht es hier um klassische Handwerkzeuge zur Holzbearbeiteng, deren Bedeutung, Pflege und Gebrauch.
Antworten
MaxS
Beiträge: 1691
Registriert: Sa 21. Jun 2014, 02:52

Vorstellung meiner mobilen Werkzeugkiste

Beitrag von MaxS »

Guten Abend,

vor längerer Zeit wurde ich im Thema zu Stemmeisenhaltern von Martin ( viewtopic.php?p=163132#p163132 ) darum gebeten, doch mal die komplette Werkzeugkiste vorzustellen, von der ein Teil ja schon mal zu sehen war. Dem will ich nun nachkommen.

DSC_9240.JPG
DSC_9240.JPG (573.62 KiB) 166 mal betrachtet

Etwas zum Hintergrund: Diese Kiste hatte mein Vater als leere Hülle von einem verwandten Schreiner geschenkt bekommen und ist aber über viele Jahre nie dazugekommen, sie auszubauen. In diesem Zustand habe ich sie geerbt. Nach weiterem Herumstehen hat sich bei mir langsam der Wunsch ergeben, ein Werkzeugsortiment mitnehmen zu können, wenn mal etwas im Haus oder außer Haus zu erledigen ist. Außerdem bringt die leere Kiste recht wenig, wenn sie weiter ohne Nutzen herumsteht.

Früher waren solche und ähnliche Kisten bei Schreinern weit verbreitet. Es passt alles hinein, was man klassisch normalerweise gebraucht hat - von drei Handhobeln angefangen bis zum Akkuschrauber bzw. der elektrischen Bohrmaschine passt da alles rein. Die Kiste war in der Werkstatt oberhalb der Hobelbank auf einem kleinen Regal abgestellt und wurde dann zur Montage mitgenommen. Gefertigt aus Buchensperrholz ist sie recht robust; die Ecken sind verzinkt, geleimt und geschraubt; der Deckel ist mir Stangenscharnieren (= Klavierband) befestigt und wird mit zwei Kistenverschlüssen im geschlossenen Zustand fixiert. Die originalen Einbauten sind geleimt und geschraubt.
Der große Nachteil ist meines Erachtens ihre Größe und damit auch ihr Gewicht. Es ist wenig erfreulich, das Ding über größere Strecken herumtragen zu müssen. Das dürfte auch einer der Hauptgründe dafür sein, dass die Dinger (zumindest meines Wissens) heute nicht mehr so verbreitet sind. Außerdem haben sich natürlich die Tätigkeiten heute im Vergleich zu vor einigen Jahrzehnten häufig stark verändert.

Ich habe mich also vor einigen Jahren (über zehn) daran gemacht, diese Kiste in Dienst zu stellen. Dafür habe ich sie nach meinen Vorstellungen um- bzw. ausgebaut.

DSC_9242.JPG
DSC_9242.JPG (809.46 KiB) 166 mal betrachtet

Im Deckel finden sich nahezu alle Messzeuge, die man normalerweise benötigt, bis hin zum Messschieber. Alle sind in angepassten Halterungen so aufbewahrt, dass ihnen nichts passiert und sie auch während des Transports ohne Gescheppere an ihrem Platz bleiben. Die Halterungen sind meist aus Pappel und z.T. Esche gefertigt, die Teppichreste wurden mit Heißkleber befestigt. Im Koffer wurde nur geschraubt, d.h. alles ist bei Bedarf demontierbar.
Kanten wurden allesamt gerundet; die Hebelchen, die die Werkzeuge an ihrem Platz halten, drehen sich auf Inbusschrauben, die mit einem Federring zwischen zwei Beilagscheiben dosierten Druck ausüben. Das metrische Gewinde ist direkt ins Holz gedreht.

DSC_9265.JPG
DSC_9265.JPG (594.69 KiB) 166 mal betrachtet
DSC_9269.JPG
DSC_9269.JPG (800 KiB) 166 mal betrachtet
DSC_9271.JPG
DSC_9271.JPG (624.17 KiB) 166 mal betrachtet
Im linken Bereich finden sich die Bohrmaschine (mit Kabel!), auch heute noch bei Serienbohrungen den Akkumaschinen m.E. überlegen und immer einsatzbereit, zwei Hämmer (ca. 300g und ca. 500g), Scheren (z.B. für Dichtungen), div. Feilen (u.A. für Schließbleche, zum Kantenbrechen auch bei Holz, etc.), Reißnadel und Körner. Bei den Feilen gibt es welche, die nur für Holz genutzt werden - so bleiben die scharf und hinterlassen keine dunklen Spuren auf hellem Holz. Die Fächer sind geschraubt und z.T. ebenfalls mit Teppich gepolstert.
Bei Bedarf lässt sich auch noch ein Akkuschrauber normaler Größe mit unterbringen.

DSC_9249.JPG
DSC_9249.JPG (653.13 KiB) 166 mal betrachtet
In der Mitte ist oben das Hobelfach, das ich nur bei Bedarf so nutze. Ansonsten sind dort Bit- und Bohrerkassetten, Handschuhe, Ersatzakkus und ähnliches untergebracht. Darunter befinden sich Klemmsia-Zwingen und Federklemmen - dazu gibt es wenig zu sagen, die Klemmsia hinterlassen normalerweise keinerlei Abdrücke, rutschen nicht und sind außerdem leicht.
Darunter befindet sich eine prall gefüllt Schublade mit diversen Werkzeugen: Senklot, Spitzer, Bleistifte (in Bohrerhülse), PB Inbusschlüsselsatz, Kombizange, Beißzange, kleiner Knipex-Zangenschlussel, Puksäge mit Klappgriff + Ersatzblätter, solides Alu-Abbrechklingenmesser (Tajima Aluminist) mit Auffangbehälter zum Abbrechen der Klinge, Flachmeißel, Bauschlüssel, meist auch ein Folienschreiber und ein breiterer Permanentmarker sowie ein 3m-Maßband. Diese Schublade ist sehr knapp befüllt, d.h., die Werkzeuge müssen sauber eingelegt werden, weil sie sonst zu viel Platz benötigen. Ich möchte aber auf keinen der dort enthaltenen Problemlöser verzichten.

DSC_9253.JPG
DSC_9253.JPG (644.2 KiB) 166 mal betrachtet
Auf der rechten Seite hängen Stemmeisen, Vorstecher rund und mit Vierkantspitze, Schraubendreher Philips und Schlitz sowie ein Bithalter-Schraubendreher von Felo, den ich sehr schätze. Durch den kompakten und weichen Griff kann man auch bei beengten Verhältnissen noch relativ gut Kraft aufbringen.
Leider liegt in diesem Bereich auch einiges am Boden, das ich aber nicht missen möchte: Schmierspray zur Fensterwartung (Haftschmierstoff, der speziall dafür entwickelt wurde), Kleinmenge Fett für Türbänder usw., Weißöl, Wattestäbchen, Stofflappen, kleines jap. Nageleisen vom Hausherrn, dessen breite Klaue aber noch verfeinert wurde, BMI 8m-Maßband. Teils liegt hier auch noch weiteres Zeug wie Bitsortimente oder aber extra zugeladene Dinge wie Schraubenkartons, Dübel und ähnliches.

DSC_9203.JPG
DSC_9203.JPG (514.17 KiB) 166 mal betrachtet

Weil die Kiste nicht sonderlich handlich ist, hat sie beidseitig einen großen federbelasteten Klappgriff bekommen, wie er bei Flightcases üblich ist und außerdem einen Roller. Letzterer ist ein verzapfter Eschenrahmen mit einer Aufkantung ebenfals aus Esche sowie zwei Kistenverschlüssen, mit denen man die Kiste ankuppelt kann. Diese Verschlüsse sind leider nicht optimal geeignet, da sie sich z.T. lösen, wenn die Kiste samt Roller getragen wird. Allerdings ist mir bis jetzte keine bessere, kompakte Lösung eingefallen, also muss man beim Tragen weiterhin aufpassen.
Der Rahmen steht auf vier leichtgängigen Lenkrollen mit Totalfeststeller, hier von Tente. Diese Ausführung ist als "Blue Wheels" bekannt; man findet unter diesem Begriff aber alle Qualitäten und sollte deshalb genau hinsehen.
Man die Kiste so jedenfalls bedenkenlos auch als Arbeitspodest nutzen (und spart sich so einen Klapptritt), die blockierten Rollen sind bombenfest. Gute Rollen machen viel aus, was den Benutzungskomfort angeht, da sollte man nicht zu viel sparen. Die Esche hat sich hier wie erwartet bestens bewährt - auch Fahrten über Kopfsteinpflaster machen dem Roller nichts aus. Die Rollen sind "nur" mit Rundkopf-Spax befestigt.
Vom Roller und den Griffen habe ich aktuell keine Fotos - bei Bedarf kann ich das nachholen.

Die Kiste ist definitv praktisch und dank der Rollen auch sinnvoll nutzbar. Der Ausbau der Kiste hat damals eine Woche lang jeden Abend einige Stunden Zeit verschlungen - man sollte das nicht unterschätzen. Davor muss man sich aber schon großteils im Klaren darüber sein, was man eigentlich alles dabei haben möchte und was verzichtbar ist.

Vielleicht ist hier ja für den einen oder anderen etwas Brauchbares dabei. In den Ausbau ist zwar viel Zeit und Arbeit geflossen, aber es bleibt eine pragmatisch orientierte mobile Werkzeugkiste, die nicht mit einem der wunderschönen stationären Werkzeugschränke zu vergleichen ist. Auch die Bestückung zeigt ja, dass der Fokus nicht auf feinen Kunsttischlerarbeiten liegt, sondern ein möglichst universelles Sortiment verfügbar sein soll. Ziel ist es, mit diesem Sortiment alles dabeizuhaben, um die meisten Aufgaben im/am Haus lösen zu können. Bisher hat sich das recht gut bewährt; je nach anstehender Aufgabe wird die Bestückung entsprechend ergänzt.

Fragen beantworte ich natürlich gerne.

Viele Grüße
Max
Martin Graf
Beiträge: 221
Registriert: Mo 15. Feb 2021, 20:33

Re: Vorstellung meiner mobilen Werkzeugkiste

Beitrag von Martin Graf »

Hallo Max,
vielen Dank für die ausführliche Vorstellung Deiner Werkzeugkiste. Da sind einige schöne Details zu sehen. Diese Art von Werkzeugkisten hat mich schon länger fasziniert, weil nach dem Aufklappen fast das ganze Werkzeug sichtbar und direkt greifbar ist. Vom Kauf oder Selbstbau abgehalten hat mich dann der Preis bzw. das relativ hohe Eigengewicht. Und das System funktioniert nur dann wirklich gut, wenn jedes Werkzeug einen passenden Halter hat, so dass man sich auf die einzelnen Werkzeuge festlegen muss. Aber Du hast sie auf Deine Bedürfnisse optimiert und bist damit zufrieden - dann passt es!
Deine Lösung mit dem Rahmen+Rollen gefällt mir auch sehr gut, vielleicht werde ich das mal an meine Werkzeugkiste anpassen. Denn voll beladen sind alle Werkzeugkisten doch wirklich sehr schwer.

Nochmal vielen Dank!

Gruß
Martin

PS:
Hier noch zwei Links ins Nachbarforum, in denen Werkzeugkisten vorgestellt werden:
https://www.woodworker.de/forum/threads ... iste.1332/
https://www.woodworker.de/forum/threads ... te.139121/
Antworten