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Werkstatt und Projekte von Reinhold Ege in Herrenberg    27.12.2003

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Mein Name ist Reinhold Ege, ich wohne in Herrenberg, südwestlich von Stuttgart. Ich arbeite als Architekt und baue hobbymässig seit 20 Jahren Dudelsäcke. Meine Werkstatt ist in erster Linie eine Instrumentenbauerwerkstatt, speziell für Dudelsäcke. Dudelsackbauen ist ein Hobby, das Tätigkeiten und Handfertigkeiten aus vielen verschiedenen Berufen vereinigt : Drechseln in Holz, Horn, Knochen, Metall. Feinmechanik, Sattlern, Schneidern, Werkzeugmachen, Schnitzen. Meine Werkstatt ist sehr klein, ca. 2,50 X 2,70 m. Sie liegt im Keller eines Mehrfamilienhauses. Sie wurde nicht von Anfang an für diesen Zweck entworfen und eingerichtet, sondern "wuchs" im Laufe von 23 Jahren je nach meinen Bedürfnissen und Interessen. Ich habe sie für die Fotos nicht extra aufgeräumt; wer knöcheltief Späne erwartet, wird enttäuscht sein, aber herumliegende Späne sind ein Sicherheitsrisiko und bergen zudem Feuergefahr. Außerdem muss man eine Werkstatt umso sauberer halten, je kleiner sie ist, sonst ist das Chaos programmiert.
Wichtigstes Gerät ist die Drehbank, die dann auch den meisten Raum einnimmt. Aufgespannt ist im Moment ein Blasrohr für einen schottischen Dudelsack - eine Reparaturarbeit. Ich spanne derartige Arbeiten mit Hilfe eines Holzmitnehmers, der in einem Spundfutter steckt und für jeden Verwendungszeck passend abgerichtet wird. Geht schneller, ist billiger und genauer, als fertig gekaufte Mitnehmer. Die gusseiserne Drehbank war für große Schalen immer noch zu leicht; ich habe daher die Ständer mit Beton ausgegossen und das Ganze auf einem Betonsockel verschraubt.
Die Werkbank ist ein altes Billigding, reicht aber aus, da sie mit der Wand fest verschraubt ist. In die Werkbank eingesteckt ist eine Lupenleuchte, leider sind meine Augen nicht mehr so gut und ohne Lupe kann ich manche Dinge nicht mehr machen. Über der Werkbank hängen meine Allround-Werkzeuge. Ganz oben links, das hakenförmige Ding ist ein "Hob", ein Spezialbeil zur Reisigbearbeitung. Mein Großvater, der Waffenschmied, hat es selbst geschmiedet. Wie alle seine Werkzeuge besteht der Hob aus einem Schlagkörper aus Schmiedeeisen mit feuerverschweißter Schneide aus Stahl, so ähnlich, wie es die Japaner heute noch machen.
Meine anderen Werkzeuge bewahre ich überwiegend in einem ehemaligen Aktenschrank aus dem Rathaus auf. Ich habe mir dazu Tabletts gebaut, die in Schlitzen laufen, und immer einen Einsatz enthalten. Je Tablett sind also immer zwei Etagen genutzt. Siehe unten. Der Raum ist extrem ausgenutzt. Auf dem Werkzeugschrank steht unter einer schützenden Kiste der Doppelschleifer. Quer übers Fenster verläuft eine Stange, an der die Schleifleinen aufgerollt hängen. Auf Regalbrettern, teilweise über Kopfhöhe sind die Lacke, Beizen, Lasuren, Leime und sonstigen Chemikalien griffbereit gelagert. An der Wand hängen die wichtigsten Drechselwerkzeuge, die Sägen, Axt und Beil. Unter der Drehbank ist ein kleines Holzlager. Die Bananenschachtel unter dem Drehbankbett fängt die meisten Späne schon beim Drechseln auf und hilft mir, die Werkstatt sauber zu halten. Mit selbstgebauten Holzspannelementen ist eine Holzkugel aus Weidenholz eingespannt. Solche Kugeln mache ich oft abends zur Entspannung. Man kann sie ohne besondere Vorrichtung und ohne Schablonen freihand drehen. Mit etwas Übung sind sie sehr genau und es dauert nicht mal eine halbe Stunde, so eine Kugel zu machen.
Im Vordergrund der Doppelschleifer, daneben das Staubschutzvisier- eine Notwendigkeit, wenn man Brillenträger ist und einen Bart hat. Das Staubschutzvisier versorgt mich über ein batteriebetriebenes Gebläse mit sauberer, frischer Luft. Funktioniert gut und hat auch schon einen herausgeschleuderten Holzblock abgehalten. Man braucht zum Drechseln wenig Werkzeuge, nur die auf der rechten Seite sind regelmässig im Einsatz. Die anderen sind für Spezialaufgaben oder schlicht überflüssige Anschaffungen. Ich säge meine Hölzer selbst zu und nehme dazu die Gestellsägen, die über den Drechslerwerkzeugen hängen.
Das ist eines meiner Werkzeugtabletts mit zwei Etagen. Es sind meine Sattlerwerkzeuge, die ich mir zum Teil während meiner Lehre selbst gekauft habe, zum Teil sind es Erbstücke von meinem Urgroßvater und weit über 100 Jahre alt. Sie werden immer noch benutzt, zum Beispiel zum Nähen der Ledersäcke für Dudelsäcke.
Diese Bilder zeigen die Tabletts mit den Stechbeiteln und ein Schalenspannfutter mit seinen Einsätzen. Die Hobel liegen auf entsprechenden Unterlagen, sodass die Eisen nie die Schublade berühren können.
Ich komme mit wenig Maschinen aus:

Die Drehbank ist das teuerte Stück : eine Hapfo mit 85 cm Spitzenweite und 20 cm Spitzenhöhe. Sie hat einen polumschaltbaren Drehstrommotor mit 6 Geschwindigkeiten zwischen rund 400 und 3200 U/min. Die Spindel ist ganz durchbohrt. Die Maschine ist ganz aus Gusseisen und eine Sonderanfertigung, weil sie damals nicht in dieser Ausführung serienmässig erhältlich war.

Die zweite Maschine ist eine ganz normale haushaltsübliche Handbohrmaschine (AEG) mit Schlageinrichtung und 13 mm - Futter. Die dritte Maschine ist ein Elektroschrauber (Bosch), der mir beim Einrichten der Wohnung sehr nützlich war und der jetzt ziemlich nutzlos verstaubt. Die vierte Maschine ist ein Doppelschleifer (Baumarkt-Eigenmarke), der unter seiner Schutzhaube dahindämmert . Ich verwende ihn fast nicht mehr, seitdem mal die Werkstatt infolge Funkenflug fast in Flammen aufgegangen ist. Meine Werkzeuge schärfe ich von hand mit japanischen Wassersteinen bzw. Diamantschleifplatten. Zuletzt habe ich mir noch vor ein paar Wochen eine Oberfräse (Kress) gekauft - es gibt da ein paar Projekte, die ich schon lange mal machen möchte.

Ein Beispiel meiner selbstgebauten Dudelsäcke ist hier zu finden.

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