Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

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Ansgar
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Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Ansgar »


Guten Tag,
es ist schon länger her, dass ich hier etwas geschrieben habe. Ich habe diesmal eine Frage zum sicheren Arbeiten an der Tischkreissäge.
Der folgende Blog http://www.holzwerken.net/Wissen/Tipps-Tricks/Tischlern/Sicherheit-Fuenf-Grundregeln-fuer-rueckschlagfreies-Saegen
gibt als eine wichtige Praxis, um Rückschläge durch Klemmung zwischen Sägeblatt und Paralell-Anschlag zu vermeiden, an, dass man den Paralellanschlag etwa auf Höhe des Kreissägeblattes enden lassen sollte ("dass seine Hinterkante im Verhältnis zur Sägeblattvorderkante einen 45°-Winkel bildet.").

Meine Erfahrung ist nun, dass ich es so nicht schaffe, auf ganzer Länge dieselbe Breite abzusägen. Im letzten Bereich der Säge verkippt das Werkstück immer etwas, der abgeschnittene Streifen (rechts des Sägeblattes, also zwischen Sägeblatt und Paralell-Anschlag) ist in dem Bereich dann 1 mm dünner, als der Rest.
Ich schiebe hierbei das Brett mit zwei Schiebestöcken, einer drückt von der Seite, und einer von hinten und oben, falls das wichtig sein sollte.

Verwende ich einen Federkeil (Federkamm, Federbrett, Featherboard, wie auch immer...), den ich so einstelle, dass seine Vorderkante knapp vor dem Blatt endet, so gelingt mir ein Längsschnitt sehr viel besser. Allerdings weiß ich nicht, ob durch den Federkeil nicht wieder Kraft auf das Werkstück ausgeübt wird, so dass es sich leichter verkeilen könnte. Ich habe hierzu nicht so viel im Internet gefunden, und wollte deshalb mal eure Meinung zu dem Thema hören. Begünstigen Federkämme Rückschläge, und sollte man sie deshalb besser nicht verwenden? Verwendet ihr einen, oder braucht ihr ihn nicht, weil ihr auch so zufriedenstellende Ergebnisse bekommt? Falls zweiteres, wie stellt ihr euren Paralellanschlag ein?

Viele Grüße,
Ansgar



Reinhard Scheck
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Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Reinhard Scheck »


Hallo Ansgar,
ich mache das durchaus ähnlich. Wichtig ist m.E., das der Federkamm vor dem Sägeblatt aufhört. So hast Du es ja auch beschrieben. Das gibt einen besseren seitlichen Andruck an den Längsanschlag als die Prozedur mit dem 2. Schiebestock (die nutze ich aber auch ab und an).
Für kleine Werkstücke gelten wieder andere Regeln. Aber beim Längs-Auftrennen mache ich das ganz ähnlich.
Jetzt bin ich aber auch kein Experte, sondern Hobbyist.
Gruß
Reinhard

Uwe Behle
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Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Uwe Behle »


Moin,

normalerweise wird der Anschlag so justiert, daß er nach hinten leicht vom Sägeblatt wegläuft (ca. 0.5mm).
Dann kriegt man saubere Schnitte hin, wenn man das Werkstück gegen den Anschlag zieht/drückt.

Ich habe den Anschlag meist liegend montiert. Dann ist er nur ca. 10mm hoch und man kann rechts vom Sägeblatt stehend (außerhalb der "Schußrichtung") das Werkstück mit beiden Händen gegen den Anschlag ziehen, wobei die Handballen auf dem Anschlag ruhen.
Das geht absolut problemlos, wenn man Supergleit benutzt und/oder links vom Sägeblatt einen Schiebetisch.

Den Anschlag nach vorn ziehen ist Murks, denn der ist so lang, daß er dann ohne Klemmung nach vorne abkippen würde. Selbst mit Klemmung hebt er hinten leicht ab.
Die einzige Lösung wäre, einen zweiten kurzen Anschlag herzustellen, der gerade mal von der Tischvorderkante bis zur Sägeblattmitte reicht.

Denkbar wäre auch einen Vorschub so einzustellen, daß er das Werkstück durchzieht. Wenn der Anschlag niedriger ist, als das Werkstück, müßte das gehen.
Der Einstellaufwand ist aber sehr hoch.

Ich hab mir nur einen ganz kurzen Anschlag gebastelt, um z.B. mehrere gleich kurze Stücke herzustellen. Dieser reicht nur einige cm weit und hört weit vor dem Sägeblatt auf.
Das funktioniert aber nur mit einem Schiebetisch, der direkt am Sägeblatt vorbei läuft und einen Anschlag zur Führung des Werkstücks hat.

Einen Abweiser mit Haltemagneten hab ich auch gebastelt, aber oft stauen sich die abgesägten Teile trotzdem am Sägeblatt und man muß sie irgendwie wegbefördern.
Das geht natürlich nur bei Gußtischen. Wie man sowas bei Alu vernünftig lösen kann weiß ich nicht.

Federkämme bzw. ähnliche Konstrukte mit Kugellagern, Rollen oder alten Teilen vom Festofrästisch benutze ich fast nur bei Fräsarbeiten.

Gruß

Uwe


Heinz Kremers
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Registriert: Mi 12. Aug 2015, 19:10

Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Heinz Kremers »


Hallo Uwe,

normalerweise wird der Anschlag so justiert, daß er nach hinten leicht vom Sägeblatt wegläuft (ca. 0.5mm).
Dann kriegt man saubere Schnitte hin, wenn man das Werkstück gegen den Anschlag zieht/drückt.


Das will mir aber nicht so richtig in den Kopf gehen. Wenn Du einen Schiebeschlitten hast und drückst das Werkstück fest darauf, mag das bei Plattenware ja gehen. Dann drückst Du das Werkstück ja auch nur vor dem Sägen gegen den Paralellanschlag und danach von oben auf den Schlitten, d.h. am Ende des Schnittes ist der Abstand zum Anschlag gleich dem "weglaufen", in Deinem Fall 0,5 mm. Aber eine Leiste von einem Brett abschneiden? Und nicht exakt parallel zum Sägeblatt durchschieben? Wie soll das einen sauberen Schnitt geben?

Oder überseh ich da etwas?

Gruß
Heinz



MaxS
Beiträge: 1483
Registriert: Sa 21. Jun 2014, 02:52

Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von MaxS »


Hallo Heinz,

Du hast schon Recht, das ist letztlich immer ein Kompromiss bei der Einstellung des Anschlags (bzw. dessen Führung) und der Ausrichtung des Schiebeschlittens. Ich habe den Längsanschlag bei mir nur dezent (also viel weniger, als die 0,5mm) aus der Parallelität gestellt - eben so, dass bei verzugsfreiem Holz der aufsteigende Zahn gerade nicht nachschneidet. Das verringert die Diskrepanz zwischen Schlittenlaufrichtung (auch etwas weg aus der Schnittlinie, aber nach links) und Richtung des Anschlags.

Beim Längsschnitt orientiere ich mich entweder am Längsanschlag (da liegt das Werkstück dann auch dauerhaft an, z.B: beim Zuschnitt von Leisten) oder das Material liegt auf dem Schlitten und wird dort ausgerichtet. Eine Ausnahme bilden Serienarbeiten, bei denen z.B. viele gleich lange Kleinteile abgelängt werden müssen.

Was die Ausgangsfrage betrifft: Einen Druckkamm besitze ich bis jetzt nicht, obwohl er sicher manchmal ganz praktisch wäre. In der Regel arbeite ich mit Schiebestock und Nachschiebeholz (gerade bei schmalen Abschnitten sehr hilfreich), den Anschlag stelle ich meist so ein, dass er - vermutlich nicht den Empfehlungen der BG entsprechend - beim Längsschnitt ungefähr bis zur Mitte des Sägeblattes geht. Je nach Dicke und Breite der Werkstücke ergibt sich nämlich sonst genau das erwähnte Phänomen: Auf den letzten Zentimetern fehlt die Führung und der Schnitt driftet. Das versuche ich zu vermeiden.

Bei stark unter Spannung stehendem Material, also z.B. beim Grobzuschnitt von ungedämpfter Buche und ähnlichem, ziehe ich den Anschlag natürlich wo weit wie möglich zurück.

Viele Grüße
Max


Uwe Behle
Beiträge: 265
Registriert: Fr 22. Sep 2017, 12:12
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Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Uwe Behle »


Ich verstehe, was Du damit meinst, aber letztendlich wird die Schnittbreite nur durch die Stelle bestimmt, wo die Zähne sitzen. Der winzige Winkelfehler fällt nicht ins Gewicht.
Klar ist, daß bei zu stark weglaufendem Anschlag das Werkstück evtl. auf der linken Seite hinten das Sägeblatt berühren kann und es dort die Gefahr eines Kick-backs oder Abhebens geben kann.

Die 0.5mm sind ja auf 115 cm Anschlaglänge gerechnet. Das muß man individuell einstellen. Bei mir so, daß mit gutem Sägeblatt hinten keine Berührung mehr erfolgt.

Ich hab auch ein Sägeblatt (gebraucht gekauft), welches 0.2mm Seitenschlag hat - sieht man durchaus im Sägeschnitt, weil da die Rückseite doch noch ein wenig Berührung hat. Für Kick-back ist das aber zu wenig.

Ansgar
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Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Ansgar »

[In Antwort auf #92068]
Gut zu wissen, dankeschön

Grüße,
Ansgar

Ansgar
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Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Ansgar »

[In Antwort auf #92069]
Hallo,
genauso, wie du das beschreibst, ist es in meinem Fall, ein Teil des Anschlags kann bis auf Höhe des Sägeblattes (und davor) vorgezogen werden, das funktioniert schon "ab Werk" so.

"Rechts des Sägeblattes" - Ist in dem Fall der Anschlag auch "Rechts des Sägeblattes"? Und wenn du solche Schnitte machst, wie du sie beschreibst, wo du mit beiden Händen auf ganzer Länge das Werkstück gegen den Anschlag ziehst, machst du das dann auch bei kleinen Leisten? Wie nahe kommen deine Finger an das Sägeblatt ran?

Den Anschlag minimal aus der Paralellität auslenken habe ich auch schon probiert, allerdings bekomme ich da (ohne deine Methode, die hab ich bisher nicht ausprobiert) auch nie perfekte Schnitte hin, weil mit das Werkstück trotzdem immer minimal verkippt.

Viele Grüße,
Ansgar

Uwe Behle
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Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Uwe Behle »


"Rechts des Sägeblattes" - Ist in dem Fall der Anschlag auch "Rechts des Sägeblattes"? Und wenn du solche Schnitte machst, wie du sie beschreibst, wo du mit beiden Händen auf ganzer Länge das Werkstück gegen den Anschlag ziehst, machst du das dann auch bei kleinen Leisten? Wie nahe kommen deine Finger an das Sägeblatt ran?

Ja, Anschlag ist dann auch rechts vom Sägeblatt; links vom Sägeblatt ist der Schiebetisch. Da ich eine Kombimaschine habe, sind rechts vom Sägeblatt noch ca. 90cm Tisch (Säge/Fräse+Abrichte) wo der Anschlag geklemmt werden kann.
Näher als 5cm lass ich meine Finger nicht an das Sägeblatt. Auch mit aufgelegten Handballen ist mir das zu gefährlich.

Dünne Leisten würde ich vermutlich mit der Bandsäge vorschneiden und dann durch den Dickenhobel jagen.
Wenn das nicht geht, wird's schwierig, denn dann muß man doch irgendwas basteln, was wie eine Federleiste wirkt.

Vor zwei Tagen hatte ich tatsächlich so einen Fall. ich wollte eine einseitig gehobelte Leiste (150cm lang) von 25x25mm auf 25x20mm bringen und der Umbau auf Dickenhobeln war mit zu aufwändig.
Da habe ich mich an die Diskussion erinnert und in die Nuten vom Schiebetisch eines der Plastikandruckteile meines uralten Festo-Frästisches eingespannt und die Leiste durchgeschoben.
Schiebetisch war dabei fest.
Die Andruckteile funktionieren ähnlich, wie eine Federleiste - wenn das Werkstück allerdings daran vorbei ist, wird es wieder heikel. Etwas Pech und die aufsteigenden Zähne erfassen das Werkstück, wenn man hinten zieht...
Bei der langen Leiste kam es aber nicht drauf an, daß die letzen 20cm evtl. verhunzt waren.

Eine zweite Andruckplatte/Federleiste hinter dem Sägeblatt hätte vielleicht geholfen, aber wenn die Leiste dann etwas Spannung hat oder nicht absolut gerade ist, kann sie doch vorne ins Blatt geraten.

Gruß

Uwe



Konrad Holzkopp
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Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Federkamm für Längsschnitte an der Kreissäge

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Guuden,

blödes Covid 19, ein paar Leute bräuchten viel dringender einen Maschinenkurs!
Zum Einstellen von Filmen habe ich leider bisher noch keinen Sachkundigen gefunden.

Gut Holz! Justus.

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