Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

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Just-do-it

Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Just-do-it »


Hallo,
mein Ausgangspunkt ist, dass ich zwei Pfosten aus MDF an den Sägekanten verleimen möchte. An normales Holz denkend hatte ich zunächst das Bestreben die Leimfläche mit Hilfe einer Überblattung möglichst zu vergrößern. Das würde dann der Illustration B in der unten verlinkten Abbildung entsprechen.

Dabei habe ich dann die Überlegung angestellt, dass MDF ja an sich schon keine hohe Stabilität aufweist und es vermutlich gar keinen Mehrwert bringt eine aufwendige Verbindung zu schaffen. Davon ausgehend, dass eine Leimverbindung mit modernem Leim mehr Stabilität aufweist als der eigentliche Werkstoff, würde man mit einer Stoßverbindung, wie in Abbildung C, schon die bestmögliche Stabilität erreichen, da die Leimfläche gleich der Querschnittsfläche ist.

Wohler würde ich mich mit Abbildung A fühlen, wobei nach obiger Überlegung die Ausklinkung wohl mehr den Vorteil einer Positionierhilfe beim Leimen hätte, als dass sie zur Festigkeit beiträgt.



https://www.bilder-upload.eu/bild-1e19d3-1597822128.png.html

Soweit meine Vorüberlegung. Wenn man weitere Hilfsmittel mit Flachdübel und Schrauben zunächst außen vorlässt, sind meine Überlegungen dann richtig, oder welche Vorrausetzungen gelten noch für eine optimale Leimverbindung bei MDF?

Von alten Möbeln, Stühlen, etc. kennt man es ja, dass sich die Leimverbindungen über die Jahre gelöst haben. Gibt es dieses Problem mit modernen Leimen, beispielsweise PU Leim, heute eigentlich auch noch? Entsprechend wäre es wohl sicherer die Leimverbindung, zusätzlich, mit einer Schraube zu sichern.

Vielen Dank für eurer Hinweise


Konrad Holzkopp
Beiträge: 1664
Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Guuden,

was soll's denn werden?
Für konstruktive Konstruktionen ist MDF weniger geeignet.
Wenn, dann nehmen wir drei Schichten und verleimen sie so,
dass außen die Lagen in der einen Richtung außen durchgehen
und die anderer Lage innen den Zapfen ergibt.
In Deinem Fall auf einer Seite, unten quer, stärkeres Material verwenden.

Gut Holz! Justus.

Just-do-it

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Just-do-it »


Hi Justus,

vielen dank für deine Antwort. Aber genau eine solche Zapfenverbindung möchte ich ja für MDF in Frage stellen. Da MDF, gegenüber gewachsenem Holz, sehr kurzfaserig ist vermute ich, dass eine Zapfenverbindung kaum mehr Stabilität auf die Eckverbindung bringt. Bestenfalls hilft es dem Ausrichten beim Fügen.

VG



Konrad Holzkopp
Beiträge: 1664
Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Guuden,

diese Art der Verbindung ist bei uns für deckend lackierte Rahmen
für Sondertüren standard.

Gut Holz! Justus.

Andreas Winkler
Beiträge: 1117
Registriert: Di 30. Nov 2021, 19:21

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Andreas Winkler »


Hallo Just-do-it,

zu Deiner Überlegung - an sich hast Du recht damit, daß moderne Leime Holz (bzw. Fasern) besser zusammenhalten, als es die Holzstruktur an sich tut. Auf deutsch - bei korrekt ausgeführter Verleimung geht nicht die geleimte Fuge kaputt, sondern das umgebende Holz.

Zu Deinen Ecken bzw. deren Ausführungen - das wäre einen Versuch wert und kommt sicher auch auf die Dimensionen der MDF-Teile an. Und auch auf die Belastungen, die darauf einwirken sollen. Soll das Ganze ein Teil eines Besteckkastens werden oder z.B. das Kopfteil eines Hochbetts. Oder gar eine größere konstruktive Anwendung.
MDF ist in jedem Fall deutlich fester, als es eine Spanplatte (Flachpreßplatte) ist. Das merkst Du schon daran, wenn Du z.B. einen - sagen wir 10 cm breiten und 50 cm langen Streifen - einer 19 mm starken Spanplatte gegen eine stabile Kante schlägst und das Gleiche mit MDF-Material versuchst. Die Spanplatte wird in beiden Richtungen recht widerstandslos brechen, während sich das MDF heftig wehren wird und Dir Hand und Handgelenk in jedem Fall schwerzen werden.

Ich denke, für eine umfassende Antwort wirst Du es auf einen Versuch ankommen lassen müssen (wie gesagt, abhängig von Dimensionen und Belastungen).

Anstelle Deiner Variante B wäre vielleicht eine eingefräste falsche Feder in der Zapfendimension rationeller (eine Werkzeugeinstellung).

Bei der stumpfen Verbindung Variante C könnte ich mir einen oder mehr von der Außenseite eingefräste, halbierte Lamellos vorstellen (zumindest bei normalen Möbel"dimensionen"). Von der Fa. Lamello gibt es für solche Zwecke Einschlaglamellos ("E20"). Die sind allerdings aus reinem Kunststoff. Wenn Du Glück hast (widerum abhängig von den Dimensionen), sparst Du Dir das Spannen mit Zwingen, weil die Teile bis zu einem gewissen Maß selbstspannend sind.
Wenn eine oder mehr Seiten sichtbar bleiben sollen, mußt Du halt vor der Oberflächenbehandlung spachteln.

Am einfachsten und stabilsten dürfte eine Verschraubung mit Verleimung der Ecke sein, ggf. mit einer Verleimhilfe zum einfacheren Positionieren beim Verschrauben.

Zu Deiner letzten Frage bezüglich der Dauerhaftigkeit moderner Leime (für "Handgebrauch", also Weißleime und PU-Kleber) - bei korrekter Ausführung der Verleimung (paßgenaue Verbindung, Leim noch in Ordnung, Preßzeit und Verarbeitungsparameter eingehalten usw.) und keinen äußeren Umständen, für die der Leim nicht ausgelegt ist, halten die Leime dauerhaft. Sie sind also alterungsbeständig. Aber eben reine Kunststoffe.

Gruß, Andreas

Konrad Holzkopp
Beiträge: 1664
Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Guuden,

MDF ist weitgehend anders zu Verarbeiten als FPY. *)
Die Spaltfestigkeit parallel zur Oberfläche ist sehr gering,
bedeutet dass Schrauben in dieser Richtung schlecht halten bzw das Material aufreißt.
Es muss fast immer in besagter Richtung auch vorgebohrt werden.

Die Lamellos E20 aus Kunststoff sind ~4,4 mm stark und spalten MDF "Hirnholz" sehr häufig.

"Hirnholzverleimungen" halten schlechter als bei FPY.

Als Einlegeboden z.B. muss MDF mindesten eine Stärke dicker gewählt werden
als einer aus FPY.

*) Flachpressplatte, ich meine in guter Qualität.

Gut Holz! Justus.

Andreas Winkler
Beiträge: 1117
Registriert: Di 30. Nov 2021, 19:21

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Andreas Winkler »


Hallo Konrad,

die E20 habe ich noch nie verarbeitet, kenne sie nur von einer Messe. Da war das Ganze aber schon beeindruckend.

Das MDF parallel zur Plattenoberfläche leicht spaltet, ist jedem klar, der das Material schon mal verarbeitet hat. Deswegen ja vorbohren bzw. in dem Fall "vor"fräsen. Keine Ahnung, ob MDF die 10 % Übermaß der E20 verträgt?
Bzw. ob die Platte randnah noch genug Haltekraft hat, damit der E20 seine Spannkraft entfalten kann.

Randnahes Vorbohren (am besten mit Senken) bei normalen Spanplattenschrauben mit 0,5 mm kleiner als Schraubendurchmesser klappt jedenfalls gut. Zumindest bei Material 16 mm und dicker.

Wie geschrieben, ist das ein klassischer Fall von Versuch macht kluch.

Gruß, Andreas

Just-do-it

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Just-do-it »


Hallo und vielen Dank für eure Beiträge.

Leider ist meine Frage etwas missverstanden worden. Es geht mir bei meiner Fragestellung eigentlich nicht um zusätzliche Maßnahmen. Meine Frage ist eigentlich eher qualitativ gemeint und konzentriert sich auf die Ausführung der Leimverbindung.

Wen ich die drei gezeigten Verleimungen, für Massivholz, entsprechend ihrer Stabilität sortieren sollte, dann würde vermutlich die Sortierung B-C-A herauskommen. Dabei habe ich als Kriterium die Fläche der Verleimung herangezogen. Je mehr Fläche ich aufbringe, umso mehr Holzfasern verbinde ich. Durch die Holzfasern werden auftretende Kräfte verteilt. Am schlechtesten ist wohl die Verbindung A, da sich durch die stirnseitige Verbindung wenig Überlappung der Holzfasern ergibt. Soweit würde ich mir das jetzt erklären.

Wie aber sieht es bei MDF aus? Gilt da auch die Reihenfolge B-C-A oder sind alle drei Verbindungen gleichwertig? So wie ich es mir jetzt erklärt habe, trägt eine Vergrößerung der Leimfläche nicht zur Stabilität bei, da durch die kurzen Fasern des Materials keine Verteilung der auftretenden Kräfte stattfindet.

Konrad Holzkopp
Beiträge: 1664
Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Guuden,

Ausführung B ist die einzige reine Leimverbindung bei allen Hölzern und Holzwerkstoffen,
die mehr als den leichten Hauch einer schwache Positionierung zustande bringt.

Gut Holz! Justus.

Just-do-it

Re: Eigenschaften der Leimverbindung bei MDF

Beitrag von Just-do-it »


Guuden,

Ausführung B ist die einzige reine Leimverbindung bei allen Hölzern und Holzwerkstoffen,
die mehr als den leichten Hauch einer schwache Positionierung zustande bringt.

Gut Holz! Justus.


Mhm, klingt souverän, aber so richtig fachlich untermauert ist deine Aussage dazu jetzt leider auch nicht. Im Umkehrschluss könnte ich die Frage stellen, wo das Optimum der Überblattung ist?



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