Berliner Hocker für Kleinkinder *LINK* *MIT BILD*

Hier werden Holzprojekte diskutiert, die vorwiegend mit Handwerkzeugen und nicht mit Maschinen realisiert werden. Hier ist auch ein Platz für traditionelle Oberflächenbehandlung von Holz. Ebenso geht es hier um klassische Handwerkzeuge zur Holzbearbeiteng, deren Bedeutung, Pflege und Gebrauch.
Michael Krämer
Beiträge: 28
Registriert: So 29. Sep 2019, 22:46

Berliner Hocker für Kleinkinder *LINK* *MIT BILD*

Beitrag von Michael Krämer »


Liebe Holzwerker,

meine Frau hat einen Hocker für Kinder gefunden, der durch drehen unterschiedliche Sitzhöhen ermöglicht. Wird mal Berliner Hocker genannt oder z.B. als Wandelstuhl verkauft, wenn auch recht teuer. Link habe ich angehängt. Sowas ähnliches möchte ich gern bauen. Eine Zeichnung habe ich auch eingefügt. Ich bin mir noch nicht sicher ob ich alles von Hand hin bekomme, aber da ich für vieles gar keine Maschinen habe poste ich es mal hier..

Zuerst hatte ich ihn nur in beschichtetem Multiplex gesehen und mir schon Gedanken gemacht wie ich das gut bearbeiten kann. Aber wenn man sich mal befreit von den Vorlagen kommt man einen Schritt weiter, ich möchte ihn aus Eiche bauen. Wandstärke zwischen 20 und 23mm für alle 4 Flächen. Maserung am Sitzbrett quer, an den drei Aussenseiten horizontal.
Im Vergleich zum Original tendiere ich dazu die Tiefe der Sitzfläche etwas zu verkleinern (vermutlich aber mehr als die 240mm in der Zeichnung). Man könnte bei meinen Massen auf 15cm, 20cm und 24cm sitzen. Im Original ist die grösste Höhe 33cm, aber das finde ich ist ein grosser Sprung. Er muss trotzdem genug Standfläche haben, vermutlich ist 28cm als Gesamttiefe super. Das wäre dann auch die höchste der drei Sitzhöhen, abzüglich der Stärke der Rückwand und Versatz des Sitzbrettes nach innen bleiben dann ca. 23cm als Tiefe der Sitzfläche.

Ein paar Dinge sind mir aber noch unklar..

a) Im verlinkten Beispiel ist das Leimholz aus recht schmalen Stücken hergestellt. Meint ihr das muss sein um Werfen zu verhindern oder könnte ich 33cm auch aus 2 Teilen herstellen? Beim Vorbild sind es 8 Streifen, ist aber auch Buche.

b) Wie mache ich die Eckverbindungen der Aussenbretter?
Die Rückwand wird als Sitzfläche in der höchsten der drei Varianten genutzt, also sind an den Kanten von Rückwand zu Seitenteil die Flächen bündig zueinander (abgesehen von einer Schattenfuge durch die Kantenrundung der Seitenwand.. Aber in der Position wie in der Zeichnung stehen die Seitenwände oben und unten 5mm über die Rückwand über (der Hocker stünde dann nur auf den Seitenwände, die Rückwand schwebt). Eigentlich steht Rückwand und Sitzbrett zwischen den Seitenwänden. Wäre es sinnvoll das zu zinken? Und traue ich mir das zu? ;-) Oder welche Alternativen haltet ihr für sinnvoll?

c) Zuerst dachte ich das Sitzbrett einfach in eine Nut einzulassen und zu leimen, aber das ist längs auf quer, die effektive Leimfläche wäre dann eine 7 oder 8mm tiefe Nut. Ist das eine gute Idee? Dazu kann ich nicht einschätzen ob das Luft braucht um zu arbeiten. In meinem Keller ist das Holz sicher feuchter als in der Wohnung, jetzt im Winter habe ich dort 60-70% Luftfeuchte.
Wäre eine Gratnut sinnvoller? Die kann ich leider nicht mit der Hand herstellen.

d) Die Kanten würde ich verrunden mit ca. 5mm Radius, auch dort wo die Ausschnitte / Grifflöcher sind. wie macht man die Grifflöcher und die Rundungen schlau von Hand? Mit einer Raspel? Wenn ich sie fräsen würde, muss ich dann rüber ins andere Forum?

e) Oberflächenbehandlung mit Osmo Hartwachsöl zwei bis drei mal. Sollte ich mir da Sorgen machen um die Kanten die auf dem Boden aufstehen und dann beim Drehen sichtbar werden?

Grundsätzlich könnte ich mir auch vorstellen Verbindungen zu schrauben und dann die Schraubenlöcher aufzubohren und Dübel einzuleimen. Ich sollte (muss) irgendeinen Weg finden, zwei solche Hocker bis Weihnachten fertig zu bekommen. Mit Trockenzeit des Öls muss ich also vermutlich dann fertig sein wenn mein Urlaub anfängt 🤦 Und meine Hobelbank ist leider immer noch nicht ganz fertig..

Bin für jegliche Tipps dankbar.

Es grüsst, Michel

Pedder
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Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Pedder »


Hallo Michel,

ich bin nun wirklich nicht der Möbelbauer, solche Hocke habe ich aber schon gemacht.
Man könnte wunderbar die Eckverbindung zinken und die Sitzfläche in die Seitenteile eingraten.
Ich habe gedübelt.

http://woodworking.de/cgi-bin/forum/webbbs_config.pl/page/1/md/read/id/30140/sbj/das-ergebnis-mit-bild/

Man sieht auf dem damaligen Bild, dass die Fläche, mit denen der Hocker auf dem Boden steht, leiden.
Meine Schwester hat wegen ihres frischen Parketts Filz auf diese Stellen geklebt.
Wir haben das hingenommen.

Ich habe die Kanten nicht verundet, sondern nur leicht mit dem Hobel gebrochen.
Und die Grifflöcher habe ich gebohrt und dann ausgesägt und dann weiter mit Raspeln und Feilen.

Das Sitzbrett würde ich quer einbauen und nicht mit dem Rücken verbinden.

Liebe Grüße
Pedder

Michael Krämer
Beiträge: 28
Registriert: So 29. Sep 2019, 22:46

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Michael Krämer »


ah sehr schön. Was für ein Holz war das bei dir? Birke? In meinem Fall wäre der Druck zumindest etwas mehr verteilt weil es nicht nur punktuell aufsteht.

Ich habe habe auch schon gesehen dass man solche Standflächen mit Sekundenkleber überzieht. Passt mir nicht richtig gut, aber Filz fände ich vermutlich schlimmer ;-)

Horst Entenmann
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Registriert: So 30. Mär 2014, 20:58

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Horst Entenmann »

[In Antwort auf #152326]
Hallo Michel,

Interessanter Stuhl.

Da gibt es viele Möglichkeiten wie man den machen könnte. Es kommt auch auf deine Ansprüche an.
Man könnte die Teile stumpf aufeinander stoßen und dübeln, leimen und verschrauben.
Mit Nut wäre besser, mit Grat wäre noch besser.
Die Dübel könnten auch von außen durchgebohrt werden und damit sichtbar bleiben.

Man könnte die Teile auch verzinken, das wäre vielleicht noch mal stabiler und geht mit Handwerkzeugen.
Meine Vorstellung wäre das Mittelteil mit Zapfen ringsum zu befestigen und Rückenteil und Seitenteile über Schwalbenschwänze zu verbinden.
Das könnte man mit Keilen sichern oder auch mit Schrauben.

Für die Grifflöcher würde ich mit der Lochkreissäge je zwei Löcher bohren und das Zwischenstück aussägen. Im Extremfall könnte man die Bohrwinde nehmen.
Ich würde übrigens noch zwei Löcher parallel zur Rückwand reinmachen, damit man das Ding auch packen kann wenn es aufrecht steht.

Die Ecken abzurunden ist natürlich wichtig. Der Job schreit schon ziemlich nach der Oberfräse, besonders wenn man in den Grifflöchern arbeitet, aber wenn man will geht das auch mit Hobel und Schleifpapier.
Ein passender Schleifklotz könnte hilfreich sein. Man könnte auch mit den Flaschenöffnern von Veritas vorarbeiten aber wirklich empfehlen kann ich die nicht.

Gruß Horst


Johannes M
Beiträge: 1520
Registriert: Di 21. Jul 2020, 09:09

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Johannes M »

[In Antwort auf #152326]
Hallo Michel,

ein paar Anmerkungen zu deinem geplanten Projekt:
Die Faserrichtung des mittleren Sitzbrettes sollte so sein, wie bei dem Hocker in deinem Link, sonst wird es ziemlich bald brechen.
Die Flächen aus nur 2 Bretten zu Verleimen ist eine gute Möglichkeit, wenn du entsprechendes Holz hast. Die schmalen Lamellen sind der wirtschaftlichen Leimholzherstellung geschuldet.
Die Holzstärke würde ich etwas dünner wählen, damit der Hocker etwas leichter wird.
Die Rückenlehne etwas schmäler zu machen ( wie im Link) ist sinnvoll, damit der "Stuhl" nicht kippelt.
Ich denke die "perfekte Verbindung" wäre die drei Außenteile mit einander mit Schwalben und Zinken zu verbinden und das Sitzbrett in den Seiten einzugraten (ohne Leim)
Vereinfachung der Verbindungen um ein bestimmtes Zeitfenster einzuhalten, ist in meinen Augen normal und üblich ;o)

Es grüßt Johannes

Michael Weisser
Beiträge: 90
Registriert: So 21. Feb 2021, 16:17

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Michael Weisser »

[In Antwort auf #152326]
Hallo Michael,

zur Herstellung wurde das Wichtigste schon gesagt...optisch stehen m.E. dem Hocker definierte Kanten und wenig Unterbrechungen, d.h. ich glaub nicht, dass sichtbare Verbindungen dem Hocker gut stehen. Ich würde auf Zinken, Gratverbindung, u.Ä. verzichten. Ebenso ist vermutlich eine Fase an den Kanten schicker als eine Rundung. Vorteil ist auch Du vereinfachst den Herstellungsprozess. Dübeln wäre für mich die Verbindung der Wahl. Allerdings würde ich auf eine Verbindung der Sitzfläche und Rückwand verzichten sondern an der Stelle eher einen Luftspalt lassen (ca. 5-10mm).
Außerdem macht Multiplex hier durchaus Sinn da viel Hirnholz sichtbar ist und ein gutes Multiplex da was her macht (mir gefällt die weiße Beschichtung). Bei den Grifföffnungen muss man dann allerdings aufpassen, dass keine Ausrisse entstehen...tief anreissen.

Gerade wenn Du zeitlich unter Druck stehst und nicht viele Werkzeuge hast, kannst Du dir das Material online, zugeschnitten bestellen...prüfen, markieren/anreissen, putzen, bohren, anfasen, Grifflöcher anbringen/putzen, montieren.

(man könnte für eine Sitzposition sogar einen Schaukelstuhl daraus machen)

Grüße und viel Spaß

Michael

Johann Daniel
Beiträge: 88
Registriert: Di 19. Feb 2013, 19:58

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder *MIT BILD*

Beitrag von Johann Daniel »

[In Antwort auf #152326]
Hallo Michael,

anbei ein kleine Explosions-Skizze wie ich mir die Verbindungen vorstellen könnte. Die Sitzfläche liegt in einer Nut im Seitenteil. Im vorderen Bereich ist links und rechts ein Zapfen an der Sitzfläche, der in einen Schlitz im Seitenteil steckt und dort verleimt und ggf. verkeilt wird. Die restliche Nut ist leimfrei, damit das Holz arbeiten kann. Dafür würde ich ca. 5mm Luft zur Rückwand lassen. Die Rückwand ist wahlweise mit Schwalbenschwanzzinken oder Dübeln oder auch geraden Zinken mit den Seitenteilen verbunden. Die Zinkenverbindung sollte man so auslegen, dass die Nut nicht von aussen sichtbar ist. In der Skizze habe ich das ungeschickt dargestellt.

So long
Johann Daniel



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tobikop
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Registriert: Mi 20. Nov 2019, 15:08

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder *MIT BILD*

Beitrag von tobikop »

[In Antwort auf #152326]
hallo michael,

hier noch ein beispiel.
den hocker haben schüler gebaut und er ist aus 18mm fichten leimholz - gedübelt.
er wird auch gerne als spielküchen tisch verwendet...

ich würd sagen, einfach mal losbauen!
viel spaß

schöne grüße

tobi





Konrad Holzkopp
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Registriert: Do 2. Nov 2017, 12:23

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Konrad Holzkopp »


Guuden,

das Werkstück war immer wieder bei der Handprobe Prüfungsstück
der Meisterprüfung in Darmstadt.
In diversen dortigen Kindergärten dürften die Exemplare noch zu finden sein,
wurden als Spende verteilt.
Sitzfläche in die Seiten gegratet, Sitzfläche/Rückwand Fingerzinken, Seiten/Rückwand gezinkt.

Gut Holz! Justus.

PS: Gelegentlich wurden die Seiten mit den Schwalben versehen, bis zum Zusammenbau ganz schön.....

Michael Krämer
Beiträge: 28
Registriert: So 29. Sep 2019, 22:46

Re: Berliner Hocker für Kleinkinder

Beitrag von Michael Krämer »


PS: Gelegentlich wurden die Seiten mit den Schwalben versehen, bis zum Zusammenbau ganz schön.....

ja ich denke das macht vor allem mit der Gratnut zusammen Sinn ;-)

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