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Christof Hartge:Die Zähmung des widerspenstigen Bretts - Teil 6
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8. Auf Stärke bringen, zugleich: Abrichten der Linken SeiteEs folgt die letzte, die linke Seite des Brettes mit der zugleich das Brett auf seine Stärke gebracht wird. Die Stärke ist eines der Kardinalmaße im Möbelbau. Was man hier festlegt wirkt sich auf die gesamten Proportionen des gesamten Möbels aus. Das Brett wird ein typisches Maß, 24 mm bekommen. 24 mm ist deshalb gut, weil sich damit gut rechen läßt und vor allem weil bei Drittel Teilung immer noch 8 mm stehen bleiben. Das gibt einen ordentliche stabilen Zapfen, eine Feder oder einen Falz. Allerding wird dieses Brett noch mit einem zweiten verleimt werden. Ich ziehe es vor deshalb nur bis auf 28 mm herunterzugehen, zu verleimen und dann erst die entgültige Stärke zu hobeln. wer weiß was beim verleimen noch passiert. Es bleiben, wenn irgendetwas verrutscht noch 4 mm Ausgleichsmöglichkeit. Die Arbeit gliedert sich wie bei der Rechten Seite in fünf Arbeitsschritte, die einem irgendwann in Fleisch und Blut übergehen:
a) Anreißen
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b) Schruppen
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c) SchlichtenEs ist gut, wenn man die Dinge mal aufschreibt. Man schaut nochmal genau hin und überprüft manches. In Schritt 3 habe ich noch geschrieben, das man auch ohne Schlichthobel auskommt. Jetzt hat es mich gejuckt und ich habe einem alten, nicht sehr schönen Steiner Doppelhobel eine gerundete Schneide geschliffen. Natürlich viel weniger rund als ein Schrupphobel, ein sanfter Bogen nur.
d) RichtenDank des Schlichthobels kann es nun mit dem Doppelhobel schneller an das Richten gehen.
e) PutzenEigentlich ist das Wort "Putzen" hier noch etwas unangebracht. Um das allerletzte Finsih sollte es jetzt noch nicht gehen. das wird durch weitere Verarbeitung ohnehin zerstört und wäre also vergebliche Liebesmüh. Das heißt: Es darf noch rauhe Stellen geben, aber keine Ausbrüche mehr. Den umlaufenden Riss sollte man so gut als möglich anschneiden.
NachwortEiniges möchte ich noch zum Schluß bemerken. Ich wollte mit diesem Artikel nicht nur die Frage beantworten, wie man ein gewöhnliches Brett hobelt, sondern auch die Vorteile aufzeigen, die handwerkliche Techniken bieten. Das wichtigste zuerst: Die aufgeführten Arbeitsschritte enthalten eigentlich alle grundsätzlichen Arbeitstechniken, die man für die übrige Holzwerkerei auch braucht, nämlich Wahrnehmen, Reißen, Sägen, Hobeln. Es ist durchaus eine Herausforderung, ein Brett gerade zu hobeln. Daß es mit hinreichender Genauigkeit geht, hoffe ich belegt zu haben. Jetzt aber zu Gründen, bei denen ich Vorzüge gegenüber Maschinen sehe: Man kommt mit dem eigenwilligen Werkstoff Holz auf "Du und Du". Ich habe euch ja leider nur Bilder zeigen können, aber ich vermute ihr kennt das Brett jetzt genauso gut wie ich.
Ich weiß, daß das in der modernen Schreinerei kein Platz mehr hat, weil Arbeitszeit zum kostbarsten Gut überhaupt geworden ist, vergleichbar höchstens den Gewürzen, die man in der frühen Neuzeit aus Asien importierte. Um so mehr können wir, die wir mit der Freizeit kein Geld verdienen, die Vorteile des langsamen Arbeitsprozesses nutzen und damit, wiederum ähnlich den Gewürzen, unseren Projekten ein unvergleichliches Aroma geben. Übrigens, das wollte ich zum Schluß auch noch angemerkt haben, gibt es zwei Arbeitsgänge bei denen Maschinen definitiv unterlegen sind: Das betrifft die Kanten: Die wirklich glatte Fläche, die eine Rauhbank hinterläßt, ist mit der Messerwelle einer Abrichte nicht herzustellen. Schließlich, kann auch der seidige Glanz einer lebendigen Oberfläche mit einem Elektrohobel und Schleifpapier nicht hergezaubert werden. |