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Die Langlochbohrmaschine

Bei gestemmten Holzverbindungen werden Zapfen in Langlöcher verleimt. Die Langlöcher können von Hand gestemmt oder maschinell von Kettenstemmern oder Langlochbohrmaschinen hergestellt werden. Puristen ziehen die Handarbeit vor, wenn allerdings mal 36 oder 72 Langlöcher in einem Projekt zu machen sind, dann artet das schnell in Plackerei aus. Maschinell geht das nicht nur schneller, sondern auch exakter.

Kettenfräsen

Kettenfräsen arbeiten wie Kettensägen, nur hat die Kette eine definierte Breite. Für jede Breite benötigt man eine extra Kette. Diese ist nicht eben billig. Außerdem gibt es das Problem mit dem Ausreißen des Holzes beim Kettenaustritt aus dem Holz. Die Kettenfräsen arbeiten senkrecht, d. h. die Fräskette taucht von oben nach unten ins Holz wie bei einer "normalen" Bohrmaschine. Im Hobbybereich sind Kettenfräsen so gut wie nicht vertreten.

Langlochbohrmaschinen

Dagegen haben Langlochbohrmaschinen bzw. -vorrichtungen als Zusatzeinrichtung anderer stationärer Holzbearbeitungsmaschinen eine lange Tradition. Die älteste Variante im Profibereich ist die Kombination mit der Säge; am hinteren Ende der Sägewelle ist das Bohrfutter angebracht, ein in beiden horizontalen Richtungen verschiebbarer Bohrtisch mit Klemmvorrichtung für das Werkstück ist an der Maschine unterhalb des Bohrfutters angeschraubt. Der Bohrtisch ist zudem über eine Gewindespindel höhenverstellbar. Gebohrt wird also in horizontaler Richtung. Eine zweite Variante ist die Verbindung mit der Abricht- bzw. Kombihobelmaschine. Entweder an der Bedien- oder Rückseite der Hobelmaschine ist die LL-bohrvorrichtung befestigt. An der Bedienseite stört die Vorrichtung beim Abrichten, an der Rückseite ist der Platzbedarf für die gesamte Maschine größer. Selbständige LL-Bohrmaschinen sind daher seit langem gebräuchlich.

Bau- und Bedienkonzepte

Während es bei den LL-Bohrvorrichtungen naturgegeben ist, dass der Bohrtisch beweglich und der Antrieb feststehend ist, werden bei selbständigen LL-Bohrmaschinen beide Konstruktionen angewandt. Es gibt auch Mischkonstruktionen, bei denen der Tisch quer zur Bohrerachse bewegt und der Antrieb in Richtung des Bohrers bewegt wird. Wobei die neueren Konstruktionen fast nur noch einen festen Tisch und einen beweglichen Antrieb haben. Die Vorteile liegen auf der Hand: die Genauigkeit wird nicht von der Größe des Werkstücks und dessen Gewichts beeinflusst. Die Mechanik zur Führung hat immer gleiche Bedingungen und die wirkenden Kräfte sind bekannt. Die Bedienung kann mittels einem oder zwei Hebel erfolgen, die Einhebelbedienung ist aber Standard. Ältere Maschinen und Vorrichtungen lagern den beweglichen Teil auf Schwalbenschwanzführungen, die neueren auf Prismenführungen mit Kugel- oder Nadelkäfigen. Nach meinen persönlichen Erfahrungen ist die Leichtgängigkeit der modernen Maschinen nicht nur vorteilhaft; das reine Bohren ohne ungewolltes seitliches Verfahren wird dadurch schwierig. Zudem ist die gesamte Konstruktion bei modernen Maschinen gelegentlich elastischer als die der alten Gussmaschinen, wodurch beim Bohren tiefer Löcher eine Schwingungs- und Ratterneigung entsteht. Die enorm leichgängigen Führungen der neuen Maschinen sind meistens für Dübellochbohren interessant. Sie lassen sich aber meistens nicht nachstellen; nachstellbare Schwalbenschwanzführungen werden auch in Metallbearbeitungsmaschinen eingesetzt. Dies zeigt die Präzision und Belastbarkeit dieses Führungstyps.

Werkzeuge

Klassisch sind die Langlochbohrer, die stirn- und umfangschneidend gebaut sind. Gute Ausführungen haben zusätzliche Spanbrecherschneiden. Leider sind diese Bohrer nur in WS-Qualität zu haben (vermutlich wegen der Bruchgefahr), wogegen sog. Pendelschlitzbohrer in HSS-Qualität gefertigt sind. Diese werden hin- und her bewegt bei geringem Vorschub von weniger als 1mm pro Querbewegung. Diese Fräser sind gleich für Rechts- wie Linkslauf geeignet und fräsen sehr saubere Lochränder (was meist uninteressant ist, da diese Ränder nach der Montage von den verleimten Friesen verdeckt sind). Der Vorteil ist ihr längerer Standweg. Übrigens müssen die Zapfen, bevor sie ins Langloch passen, an den Kanten abgerundet oder das Zapfenloch rechtwinklig ausgestemmt werden. Ich bevorzuge das Abrunden der Zapfen mit der Feile, weil das schneller geht. Kritisch ist der Zapfenansatz bzw. der Lochrand; wenn der Zapfenansatz nicht scharfkantig oder der Lochrand nicht abgefast ist, gibt es keine dichte Vebindung. Wer einen Frästisch mit Oberfräse hat, macht das am schnellsten mit einen Fasefräser mit Anlaufkugellager, wer nicht, kann auch die Oberfräse nehmen, muss aber den Fries einspannen und aufpassen, dass die Oberfräse nicht kippt. Die zweite Möglichkeit ist, mit dem Stechbeitel den Zapfenansatz scharfkantig auszustechen. Dietrich Bausch hat eine andere Methode, den Zapfen abzurunden. Er sägt erst mit einer Japansäge am Zapfenansatz in ungefähr 45° zu den Zapfenflächen an der Zapfenecke ein bischen ein, um die Fasern abzutrennen. Dann schneidet er mit dem Stechbeitel von der Stirnseite her die Kante weg, so dass diese gefast ist. Den Rest verrundet er mit einem groben Schleifpapier. Wenn man keine abgesetzten Zapfen hat, also der Zapfen genauso breit ist wie der Fries, dann kann man die Vorarbeit auch mit der (eingebauten) Oberfräse und einem Halbstabprofilfräser in Zapfenstärke machen. Das rentiert sich aber nur, wenn es eine größere Anzahl Zapfen sind, sonst dauert das Einrichten zu lang.

Preise

Reine LL-Bohrmaschinen werden nur im gehobenen Hobby-Segment angeboten, entsprechend sind die Preise. Etwas über 1000Euro sind fällig, bei Profimaschinen wird's das doppelte oder mehr, da sollte und kann man sich nach Gebrauchten umsehen, da landet man wieder im Preisbereich der Hobbymaschinen. Für Werkzeuge gibt man so um 10-15Euro für LL-Bohrer (10-15mm) und das Doppelte für Pendelschlitzfräser aus.

Eine Langlochbohrmaschine ist eine der Maschinen, die man nicht jeden Tag braucht. Wer aber Möbel in Rahmen-Füllungskonstruktionen bauen will, dem wird das Stemmen von Hand bald zuviel. Ob die diversen, hauptsächlich aus dem amerikanischen Markt kommenden, "handoberfräsgestützten" (tolles Wort) Geräte und Vorrichtungen ausreichenden Ersatz bieten, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht gibt es Experten, die was dazu beitragen können.

Kritik, Ergänzungen, Widerspruch willkommen


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Last edited November 5, 2004 9:12 by Walter Heil (diff)
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