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Heissleim

Geschrieben von: reinhold
Datum: Mittwoch, 30. 6. 04, um 15:45

hallo,
hier ein kleiner, zugegebenermassen extremer Erfahrungsbericht.

Ich erhielt vor einiger Zeit ein paar alte Leimplatten (Heissleim, Haut- oder Knochenleim) aus einer alten Schreinerei. Der Schreiner hatte 1941, als er zum Krieg eingezogen wurde, den Leim neben einigen anderen Gegenständen im Keller versteckt. Erst Anfang 2004 wurde beim Ausräumen der Leim wieder entdeckt - er war äusserlich nicht sehr ansehnlich, auch verdreckt, zeigte einige Schimmelschäden, aber erstaunlich wenig bei der Feuchtigkeit im Keller. Ich wollte ihn nicht entsorgen, sondern dachte, dass er für die Papierverklebung von nassen Stammholzenden noch brauchbar sein könnte. Also weichte ich ihn ganz normal ein. Die Stücke wurden oberflächig sofort klebrig, aber weichten in einer Nacht nicht durch. Trotzdem beschloss ich, den Leim zu erhitzen. Ganz normal im Wasserbad. Nach 4-5 Stunden waren immer noch grosse, nicht aufgelöste Stücke vorhanden. Der Geruch war übrigens in Ordnung : wie Rindfleischbrühe. Über Nacht schaltete ich den Herd ab, am anderen Morgen wieder an. Insgesamt wurde der Leim über 12 Stunden gekocht ( durchweg zwischen 65 und 70 Grad - thermometer-kontrolliert), die Konsistenz eingestellt und spasseshalber ein paar Probeleimungen durchgeführt. Sie hielten einwandfrei und ich konnte keinen Unterschied zu normalem Leim feststellen. Im Leimglas sammelten sich unten ein paar Sandkörner an, die durch abfiltern mit einem Tuch beseitigt wurden. Eine kleine Messerspitze Ascorbinsäure als Konservierungsmittel wurde eingerührt und dann das Glas verschlossen. Es steht nun schon seit mehreren Wochen bei Zimmertemperatur in der Küche und hat noch keinen Schimmelbefall.

Frage : welcher andere Leim ist nach über 60 Jahren noch verwendungsfähig?

Weitere Hinweise zum Heissleim, darunter auch ein paar Fotos vom Leimkochen, findet Ihr auf der Seite http://members.aol.com/piptanto/heissleim.html

gruss
reinhold

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