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Re: Kaufentscheidungen - Tischkreissäge

Geschrieben von: Christian Aufreiter
Datum: Samstag, 29. 11. 03, um 10:58

Antwort auf: Re: Tischkreissägen Empfehlung! (Stefan Picker)

Hallo zusammen,

zwar kann man den folgenden Beitrag nicht als elementare Entscheidungshilfe betrachten, aber ich möchte an dieser Stelle meine Haltung den Werkzeugkauf betreffend artikulieren.
Ohne Zweifel ist es für die Qualität der Arbeit nicht entscheidend, ob man eine Tischkreissäge um EUR 100 oder EUR 5000 verwendet. Maßgeblich ist vielmehr das Können des Hand- oder Heimwerkers.
Wer hat nicht schon Handwerker gesehen (oder zumindest über sie gelesen), die mit beinahe primitiven Werkzeugen und Mitteln auf beengtem Platz hochwertige Produkte herstellen?
Mit Sicherheit gibt es diese Menschen und mit Sicherheit kennt man den Erzeugnissen der Handwerker die uralte Tischkreissäge mit unebenem Tisch und verzogenem Anschlag nicht an. Ich persönlich gebe offen und ehrlich zu, dass ich selbst mit dem besten Werkzeug Fehler mache, ein Brett "versäge" oder "verhoble" und mit schlechtem Werkzeug wären die Resultate oft noch erschreckender. Auch leugne ich nicht, dass mich Werkzeug fasziniert und begeistert, d. h., das Objekt des Werkens ist nicht unbedingt das Werkstück sondern das Werkzeug. Es ist davon auszugehen, dass ich nicht das einzige Exemplar der "Tooljunkie-Gattung" in diesem Forum bin. Ein weiterer Gesichtspunkt, den man nicht vergessen sollte, ist, dass der Umgang mit erstklassigem Werkzeug und perfektem Material die Augen eines Heimwerkers eher zum Leuchten bringen und den Speichelfluss über das übliche Maß hinausgehen lassen als die Verwendung von "Billigwerkzeug".
In meiner Werkstatt finden sich zahlreiche Gerätschaften, die für Profis gedacht sind. Fest steht, dass ich kein Profi bin und meine Werkzeuge sicher nicht professionell (sprich 8 Stunden am Tag, mindestens 5 Tage pro Woche) beanspruche. Meine Schleifarbeiten könnte ich problemlos von Hand ausführen oder mit einem günstigen E-Schleifer. Dennoch zog mich, als ich mich auf die Suche nach dem für mich idealen Schleifer begab, eine geheimnisvolle Kraft zum Regal mit den Festool Schleifern.
Habe ich mit dem Kauf des Festool Schleifers über das Ziel hinausgeschossen? - Auf jeden Fall.
Wäre ich mit dem Schleifer eines anderen Herstellers auch so glücklich? - Wohl kaum.
Letztlich muss jeder seine persönliche Grenze ziehen. Was will ich, was brauche ich, was kann und will ich mir leisten?
Grundsätzlich halte ich nicht viel von "Billiggeräten". Ich setzte dieses Wort deshalb stets zwischen Anführungszeichen, weil ich die "Billiggeräte" in Wahrheit nicht für billig - und schon gar nicht für preiswert - halte. Wer glaubt, mit dem Kauf eines Markengeräts vor Problemen und Mängeln gefeit zu sein, irrt natürlich. Allerdings hat man als Konsument entsprechende Möglichkeiten, seine Ansprüche im Schadensfall beim Hersteller geltend zu machen, was sich bei Noname Produkten oft schwierig gestalten wird.

Nun träume ich seit geraumer Zeit von einer Tischkreissäge. Zum momentanen Zeitpunkt erlauben mir Budget und Platzangebot bestenfalls die Anschaffung einer Maschine der unteren Preisklasse. Eine Maschine dieser Kategorie will ich aber nicht, ob sie meinen Ansprüchen genügen würde oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle. Schließlich sind die 56 mm Schnitttiefe der Metabo 1256 wahrlich nicht viel, die Leistungsangaben überwältigen mich auch nicht gerade, einen größeren Schiebetisch würde ich bevorzugen. Also habe ich für mich beschlossen, vorerst keine Tischkreissäge zu kaufen. Ein unbedingtes Muss ist sie ja nicht. Eine Oberfräse ist praktisch zum Abrunden von Kanten und man möchte nicht glauben, wie oft man dieses Werkzeug einsetzt, wenn es einem zur Verfügung steht. Aber wenn ich ehrlich bin, waren die Kanten, die ich mit Hobel, Feile, Raspel und Schleifpapier gebrochen habe, keineswegs schlechter oder weniger ansehnlich.
Wer sich dieser Tage eine Tischkreissäge um EUR 50, EUR 100 oder EUR 300 kauft, hat meinen Segen möge mit seinem neuen Stück glücklich werden. Ich werde mich weiterhin mit Tauchsäge und Führungsschiene auch bei kleinen Werkstücken bemühen, da und dort zur Feinsäge oder zur Gehrungssäge greifen. Eines wird der Besitzer der "Billigkreissäge" nicht ernten, neidische Blicke. Denn eines Tages - in 5, 10, 20 oder 25 Jahren - werde auch ich eine Tischkreissäge erstehen.

Der letzte Absatz hat hoffentlich keinen arroganten, überheblichen Eindruck erweckt. Mein Budget als Schüler bzw. momentan als Grundwehrdiener ist knapp, aber dennoch ist es mir gelgentlich möglich, hochwertiges Profiwerkzeug zu erwerben. Man darf sich nur nicht von Werbung und Gruppendruck entmündigen lassen und meinen, alles sofort haben zu müssen.

In diesem Sinne

Christian

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