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Re: wieviel Drechselbank braucht der Einsteiger?

Hallo Volker,
als „Immer-noch-Einsteiger“ sind meine Erfahrungen und damit meine Tipps eher mager, dennoch ein paar kurze Anmerkungen (auch wenn die erfahrenen oder vielleicht sogar professionellen Drechsler in diesem Forum die Hände über dem Kopf zusammen schlagen mögen):
Angefangen habe ich mit einer „Drechselbank“ als Bohrmaschinenvorsatz von Wolfcraft; und zwar nicht, weil mich das Drechseln besonders interessiert hätte, sondern zur Herstellung von Treppenstäben für unser altes Haus, die den noch vorhandenen entsprechen sollten.
Das hat dann aber ziemlich Spaß gemacht.
Meine Frau hat mir dann im nächsten Jahr eine Drechselbank geschenkt.
Ja, ich gebe es zu: es ist eine aus dem Baumarkt, mit der ich immer noch arbeite!

Nachteil: Man kommt mit diesen Maschinen sehr schnell an die Grenzen:
- Die mir bekannten Baumarkt-Maschinen werden meines Wissens in China hergestellt und es scheint so, als kommen diese, unabhängig von der Marke (Güde, Rotwerk, Westfalia etc.) vermutlich alle aus einem Topf.
- Die mitgelieferte Planscheibe lässt, da im Zentrum durchgebohrt, ein zentrales Umspannen von Schalen nicht zu.
- Der Reitstock hat in der Bank viel zu viel Spiel, so dass die Achse zwischen Spindel/Mitnehmer und Pinole versetzt verläuft.
- Größter Nachteil: Das Spindelgewinde hat nicht das von Reinhold bereits angesprochene Standardmaß von M33/DN 800, aber auch kein standardisiertes Zoll-Gewinde, so dass die Beschaffung weiterer Spannwerkzeuge fast nicht möglich ist, es sei denn, man ist selbst in der Lage, Blindadapter passend zu drehen. Schraubenfutter und Spundfutter z. B. können daher nicht benutzt werden. Die dann notwendigen selbst gebastelten Lösungen sind riskant. „Fliegend drechseln“ ist dann wörtlich zu nehmen, wenn dir das Werkstück im wahrsten Wortsinn um die Ohren fliegt!

Vorteil:
- Die Anschaffungskosten sind im Vergleich zu den „vernünftigen“ von Hager, Hegner, Scheppach etc. fast schon zu vernachlässigen.
- Auch diese Maschinen bringen Holz zum Drehen ;-)

Zu den Beiteln:
Ergänzend zu den Empfehlungen von Reinhold: Spare dir das Geld für Billigwerkzeuge, auch wenn sie in noch so hübschen Holzschatullen angeboten werden. Sie halten keinen Schliff, verbiegen sich bei Belastung und fallen teilweise aus dem Heft.

Fazit:
Folge dem Rat von Reinhold und besuche einen Drechselkurs, um zu erfahren, was machbar ist, ob du auf Dauer Spaß am Drechseln hast und ob dir zukünftige hohe Investitionen das Wert sind.
Zum Lernen und Erfahrung sammeln „überspringe“ die Baumarkt-Drechselmaschinen! Den Reiz des Drechselns kann man schon mit dem Bohrmaschinenvorsatz (natürlich eingeschränkt) in Verbindung mit einem Drechselkurs erfahren. Spare dann lieber auf eine vernünftige Drechselbank.
Spare nicht beim Werkzeug!

Viele Grüße

Martin Krenzer

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