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Re: Heurechen aus Holz
Antwort auf: Re: Heurechen aus Holz ()

Hallo Jan,
bezüglich "Grünholz": Wenn du einen Ast einer Hasel im Winter schneidest, musst du den auch im Winter verarbeiten, sonst ist es kein Grünholz mehr ;)

Ich schnitze manchmal mit Kindern mehr oder weniger einfache Dinge aus Grünholz. Das holen wir uns aus der Umgebung, ein einzelner Ast eines Strauches oder nicht all zu großen Baumes dürfte da auch kein all zu schlimmer Eingriff in die Natur sein. Wenn ein solcher Ast mit 5 cm Durchmesser nur ein, zwei Wochen liegt, ist er schon viel steifer und lässt sich schon etwas schlechter schneiden. Doch wenn die Rinde runter ist, ist der Ast nach etwa 2 Tagen schon so trocken, dass die Bearbeitung viel schwerer ist. Für weiche Hölzer mag das nicht dramatisch sein, aber etwas zähere und härtere Hölzer sollten so schnell wie möglich zum "Endprodukt" verarbeitet werden. Ich hatte mir mal ein Stück Esche abgeschnitten, um daraus Ersatzstiele für ein Beil und einen Hammer zu basteln. Das konnte ich mit einem handelsüblichen Schnitzmesser wunderbar grob zuschneiden. Die Feinheiten wollte ich erst eine Woche später machen: Da waren mit dem Messer nur noch Mini-Spänchen möglich, effizient kam ich nur noch mit einem Zugeisen weiter. Also: Grünholz wirklich frisch verarbeiten! Und sicher ist der Schnitt im Winter vorzuziehen, da es den Busch/Baum und die darin beheimateten Arten weniger belasten dürfte.

Und ein Nachtrag zur Nutzholzgewinnung:
Früher™ wurden , zumindest hier am Niederhein, viele Bäume "auf Stock" geschnitten. Das heißt, dass man einen geeigneten, jungen Baum in praktischer Höhe einfach abgeschnitten hat, um nach angemessener Zeit die unter der Schnittstelle nachwachsenden Triebe (die anfangs ja relativ gerade wachsen) die "Stöcke", zu ernten. Bekannt sind vor allem die Kopfweiden, die man an vielen kleinen Wasserläufen hier sehen kann. Aus den ganz jungen, dünnen Trieben wurden vor allem Körbe und ähnliche praktische Dinge geflochten, aus den den etwas dickeren Trieben dann z.B. "mobile" Zaunelemente, um die Viehweiden zu unterteilen.
Viel seltener sieht man hier aber auch Buchen, die so geschnitten wurden, deren "Stöcke" wurden zumeist zu Stielen aller Art oder zu Beinen von Schemeln und dergleichen verarbeitet.
Mit welchen Baumarten dieses Vorgehen generell möglich ist, entzieht sich aber meiner Kenntnis.
Klar ist nur, dass man , wenn man damit angefangen hat, nicht wieder aufhören sollte. Auf Stock geschnittene Bäume sollten kontinuierlich weiter geschnitten werden, da die immer schwerer werdenden seitlichen Triebe sonst nach ein paar Jahren den Baum zerreissen können, da die natürliche Festigkeit an der ursprünglichen Schnittkante fehlt. Viele Weiden werden hier noch geschnitten, häufig von Freiwilligen (NABU usw.), auch um das typische Lanschaftsbild zu erhalten.
Buchen scheinbar schon lange nicht mehr, aber bei denen setzt sich oft ein starker Trieb durch und bildet dann einen "neuen Baum". Oft stehen solche Bäume in der Nähe von Bauernhöfen, erkennbar sind sie an einem recht dickem, total verwachsenem und manchmal hohlem Stamm bis etwa ein Meter Höhe, aus dem dann halbschräg nach oben der "neue" Stamm wächst. Die Buchen, die ich hier so gesehen habe, dürften wohl vor 40, 50 Jahren zuletzt so geschnitten worden sein.
Aber so etwas passt eben nicht mehr in unsere schnelllebige Zeit, da fällt man lieber ganze Bäume, um sie effizient zu Besenstielen zu zerkleinern. :(

Gruß aus dem Westen,
Georg

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