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Re: Mein Türenprojekt
Antwort auf: Mein Türenprojekt ()

Moin zusammen,

hier ein kurzer (eher langer) Update zum Türenprojekt. Zunächst einmal vielen Dank für die Anregungen. Ich habe mich z.B. dazu durchgerungen, die Rahmen zu verdübeln.
Zwar hat der PU-Kleber eine Festigkeit von 10N/mm² und die Fläche sollte mehr als ausreichen, um 100kg am oberen Querfries auszuhalten, aber sicher ist sicher und außerdem haben diese auch beim Zusammenbau geholfen.

Doch der Reihe nach:

zunächst habe ich die Rahmen der Füllungen auf Gehrung geschnitten; wegen des Profils war wiedermal ein Hilfswerkzeug erforderlich:


Kurze Anprobe:

Es blieben eine Menge "Ecken" übrig, aus denen man vielleicht noch was machen kann.

Die profilierten Rahmen habe ich noch geschlitzt und auch Bohrungen angebracht, um die Gehrungen absolut stabil und fugendicht zu bekommen:

Für die Bohrungen waren zwei der "Ecken" hilfreich. Aus diesen ließ sich eine Vorrichtung basteln, um eine 3mm Bohrung in die 8mm starke Profilseite im Winkel von 45° sauber zu ermöglichen.
Das Profil wurde einfach bis zu Anschlag ein gesteckt und saß damit automatisch richtig - dank dem Konterprofil:

Nun sind fast alle Teile zusammen - Es fehlen noch die Sandwich-Füllungen selbst, sowie die Dübel:

Nach einigem Probieren mit dem PU-Schaum habe ich festgestellt, daß dieser überhaupt nicht drückt.
Daher habe ich mich gegen den hier gegebenen Rat dazu entschlossen, die Sandwich Füllungen flächig auszuschäumen.
Als Distanzstücke wurden auf Dicke gehobelte Fichtenleisten verwendet.
Zwar stinkt es mir gewaltig, in einer "Massivholztür" so zu pfuschen, aber was sind die Alternativen? Es gab halt nur die Sperrholzmöglichkeit:

Anschließend 60 Minuten Presszeit:

Paßt:

fertig zum ersten Ölen, damit kein Leim mehr drauf haftet; die insgesamt 12 Sandwiches wurden überall in der Werkstatt aufgehängt und mußten 8 Stunden trocknen:

Jetzt werden die Profilleisten verleimt - die Füllungen sind nur eingesteckt:

Der Pressdruck mußte schon recht hoch sein, damit alle Fugen auf Null schrumpften - kleine Distanzstücke haben für die Führung gesorgt:

Anchließend mußten die Fugen vom herausquellenden Leim befreit werden - das war eine ätzende Arbeit mit Stubei Schnitzwerkzeugen, Schlüsselfeilen und Sandpapier.
Danach wurden die nun kompletten Füllungen mit Hartwachsöl behandelt - mit den Fugen bin ich zufrieden.

Die Dübel haben mir etwas Kopfzerbrechen bereitet. Vorgesehen waren im oberen un unteren Querfries jeweils zwei 20mm starke Dübel, die jeweils 7 cm in das Vollholz gesteckt werden sollten.
Den Plan, die 14cm langen Dübel mit dem Zapfenschneider anzufertigen habe ich aufgegeben. Stattdessen habe ich sie gedrechselt. Zunächst wurden die 20mmx20mm Rohlinge zugerichtet:

Vom Drechseln gibt es leider keine Bilder - ich habe aber ein paar Versuche gebraucht, bis es halbwegs vernünftig wurde.
Hier die fertigen Dübel und die Bohrschablonen für Längs- und Querfriese:

Die Löcher wurden mit dem Bohrmax mithilfe der Schablone gebohrt. Für die Querfriese habe ich die Langlochbohreinrichtung verwendet und mir damit den Schaft der Bohrmax versaut.

Beim Herausziehen blieb der Bohrer teilweise stehen und das Spannfutter hat spanabhebend gearbeitet - gut, daß der Schaft relativ weich ist.
Ist aber auch schwierig mit einem 90mm BOhrmax 70mm tiefe Löcher zu bohren.
( Ich werde ihn wohl auf 7.6mm abdrehen müssen. Wollte schon immer eine Drehmaschine anschaffen :-) )
Was aber funktioniert hat, war das Loch bis zum Ende zu bohren, und dann die Maschine auszuschalten - im Stillstand konnte man den Bohrer samt Spänen problemlos aus dem Loch ziehen.

Was fehlt noch bis zum Verleimen? Scharnierlöcher bohren, Türschloß einfräsen:

Nun kommt endlich das Verleimen. Zwar hat der PU-Leim eine offene Zeit von 15 Minuten, aber alles auf einen Schlag zu machen war mir viel zu riskant.
Außerdem bin ich mit der Zahl der Korpuszwingen an der Grenze. Also wurden zunächst die beiden Querfriese oben und unten mit einer Längsseite verleimt.
Wegen der Dübel war der Sitz ja vorgegeben. Nach 3-4 Stunden Preßzeit folgten die beiden Mittelfriese, ebenfalls nur auf einer Längsseite.
Die genaue Lage der Mittelfriese wurde in einem Trockengang bestimmt und angezeichnet.
Die Nut für die Füllungen ist 20mm tief. die Füllungen stecken aber nur 8mm in dieser Nut. Es bleiben also 12mm Luft.
Um das zu überbrücken, hab ich aus dem ausgeschnittenen Türfalz 8mm x 8mm Leisten hergestellt und darauf eine 8mm PE-Schnur mit Heißkleber aufgeklebt.
Diese nun 16mm "Druckleisten" kommen mit der Holzseite zur Füllung in die Nut und werden beim Zusammenbau auf 12mm zusammengedrückt. Damit sitzt die Füllung absolut stramm.

Um die Tür aufrecht stehend zu verleimen, habe ich schnell noch eine Hilfskonstruktion aus Dachlatten hergestellt, die mittels Rundhölzern und Beilagskeilen auch leichten Preßdruck erzeugen kann - wird ja für vier Türen gebraucht:

Nachdem auf einer Seite alle Querfriese mit dem Längsfries komplett verklebt sind, kommen nun die Füllungen endgültig an ihren Platz und das obere Längsfries wird eingeklebt.
15 Minuten waren ausreichend, um alles gut mit dem ekeligen PU-Zeug einzupinseln (alte Zahnbürsten, die man auch anschleifen kann um in die 8mm Nut zu kommen).
Daß Leim austritt war nicht zu verweiden, daher habe ich die glatten Flächen links und rechts der Fugen abgeklebt. In den Profilen war natürlich wieder Nacharbeit gefragt.

Endlich Schleifen - ich bin immer wieder begeistert, wie samtweich die Oberfläche anschließend ist - bei einem Türrahmen aus Ahorn habe ich es sogar mal bis 500er Körnung versucht - man konnte sich ohne weitere Oberflächenbehandlung fast darin spiegeln...

Es kommt der abschließende Anstrich mit Hartwachsöl:

Quintessenz:

Die erste Tür war ein Haufen Arbeit - bei den nächsten Türen kenne ich die Fallstricke und es dürfte deutlich schneller gehen. Habe auch ein paar unnötige Fehler gemacht, die aber nicht groß auffallen.
So habe ich z.B. die Außenkannte der Tür leicht abgerundet und nicht an die Scharnierlöcher gedacht, in die das Kugellager leicht eintaucht. Die Löcher wollte ich eigentlich erst später gebohrt haben, aber ich mußte die Tür unbedingt mal trocken einhängen, um zu sehen, wie sie paßt...

Die Füllungen mit PU-Schaum klingen beim draufklopfen zufriedenstellend und nicht hohl - ich würd es wieder so machen.
Die PE-schnüre mit den Hartholzleisten sind ebenfalls eine brauchbare Methode. Man kann die Füllungen von oben einstecken und sie lassen sich mit sanftem Druck einführen und zentrieren sich von selbst.
PU-Leim hat zwar eine recht lange offene Zeit und eine hohe Festigkeit. Außerdem ist er spaltfüllend. Nachteil ist die Reinigungsproblematik (hatte immer eine Spritzflasche mit Aceton griffbereit) und die lange Preßzeit (mindestens drei Stunden).

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