Terrassendielenbohrer

Allgemeines Holzwerkerforum

Das angekündigte Boot *MIT BILD*

Liebe Holzwerker,

da ich im Januar diesen Jahres bei der Präsentation eines Wikinger-Schildes ein Boot angekündigt hatte, bin ich nun in der Pflicht, den Worten auch entsprechende Taten folgen zu lassen. Hier also ein Foto des frisch aus der "Bootswerkstatt" entlassenen Kanadiers (leider muss man sich bei einigen Fotos wieder den Kopf verdrehen, tut mir leid, aber das abzustellen, ist mir zu kompliziert):

Boote in Leistenbauweise wurden hier ja schon mehrfach vorgestellt und bestaunt, sodass ich mir die ausführliche Darstellung des gesamten Werdegangs sparen kann. Ich werde mich also auf vier Besonderheiten beschränken, von denen ich denke, dass sie interessant sind und den einen oder anderen Holzwerker eventuell auch zum Nachbau und/oder Modifikation inspirieren.

Die erste Besonderheit ist das Fundament, auf dem das Boot gebaut wurde, denn es wurde nicht wie üblich als Sperrholz-Kastenträger, sondern als Fachwerkträger gebaut. Ober- und Untergurt des Trägers bestanden aus je einer Alu-Leiter (kostet nix, hängt sowieso als Auszugsleiter in meiner Garage). Auseinandergenommen hat man zwei Leitern, je eine für den Obergurt und die andere für den Untergurt. Dann braucht man noch 8 Bretter (Abfallholz von einer alten Kellertür) für die Diagonalen, 2 Holzplatten ca.40x50 cm für die Querstabilität und 6 Stck. 50 cm lange Gewindestangen M10. Damit erhält man ein 100% gerades Bootsfundament, auf dem man die Mallen befestigen kann (siehe Foto unten). Dann wurde die Helling vorne und hinten auf Rollen gesetzt. So konnte ich sie jeweils hin- und her schieben, je nachdem, auf welcher Seite des Bootes ich gerade beschäftigt war. In dem eigens für den Bootsbau umfunktionierten schmalen Freiraum in der Waschküche erwiesen sich die Möbelroller als eine unverzichtbare Vorraussetzung.

Die zweite Besonderheit ist der Bootsname, dessen Buchstaben ich aus Mahagoni (mit der Laubsäge) ausgesägt und als Inlay in den Bootsrumpf eingelassen habe. Der Teil des Bootsrumpfes, auf dem der Bootsname erscheinen sollte, wurde zunächst nicht mit dem übrigen Bootsrumpf in der Fuge verleimt, sondern lediglich mit Klötzchen angeklebt. Das hat den Vorteil, dass man die Klötzchen entfernen kann und so einen Teil des Bootsrumpfes wieder abnehmen kann, um dann in aller Ruhe auf der Hobelbank die Buchstaben einzuarbeiten. Dann erst wird das Stück wieder angebracht, diesmal aber - wie alle anderen Leisten auch - in der Fuge geklebt.



Die dritte Besonderheit ist das für den Bootskörper verwendete Holz. Ich habe kein Holz aus Amerika, sondern eines der leichtesten Nadelhölzer Europas gewählt: Zirbelkiefer (in der Schweiz "Arve" genannt). Dieses Holz ist von seinem spezifischen Gewicht her dem amerikanischen Bootsbauholz mindestens ebenbürtig, aber längst nicht so teuer wie z.B. Red Cedar. Die Hobelspäne der Zirbe sind obendrein sogar noch als Füllstoff für Zirbenkissen verwertbar. Die Zirbe hat aber auch ihre Nachteile: sie ist nicht astfrei und kaum in der benötigten Länge (ca. 5m) zu haben. Da ich in meiner kleinen Kellerwerkstatt ohnehin keine derart langen Leisten herstellen (sägen, hobeln und fräsen) kann, war ich sowieso gezwungen, den Bootsrumpf mit kürzeren Leisten und entsprechend versetzten Stößen in den Leisten zu bauen. Die relativ kurzen Zirben-Bohlen, die ich kaufen konnte, waren für mich also kein Nachteil. Die Äste dagegen schon. Man muss einige Leisten mehr als rechnerisch nötig machen, da nicht jeder Ast das notwendige Biegen beim Leisteneinbau mitmacht. Aber es geht - und die dunklen Äste im hellen Holz sehen auch noch gut aus. Das fertig lackierte Boot (incl. Weger, Decks, Ducht und Sitze) wiegt 22,5 kg.

Die vierte Besonderheit betrifft den Transport des Bootes auf dem Autodach. Der Kofferraum lässt sich dann ja in der Regel kaum noch öffnen. Das stört mich - vor allem bei Urlaubsreisen mit großem Gepäck - sehr. Also habe ich mir zwischen Dachträgern und Boot eine Konstruktion ausgedacht, die es mir erlaubt, das fest auf dem Dach liegende Kanu (mittels Gasdruckfedern) so anzuheben, dass sich der Kofferraum wieder komplett öffnen lässt. Im geschlossenen Zustand ist die Konstruktion zudem abschließbar, was auch das Boot selbst gegen Diebstahl sichert.


Die kopiergefrästen und deshalb 100% symmetrischen Mallen werden jetzt nicht mehr gebraucht und wären abzugeben. Man kann damit den Bauplan "Ranger" aus dem Buch "Canoecraft" von Ted Moores realisieren.

Gruß
Bernd

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