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Schellack - ein kleiner Nachtrag

Geschrieben von: Oliver Montué
Datum: Mittwoch, 27. 11. 02, um 09:03

Hallo,

vor einiger Zeit habe ich meinen Couchtisch mit Schellack versiegelt. (Siehe Beitrag weiter unten). Langsam kann ich hierzu einen kleinen Erfahrungsbericht beisteuern.

Schellack ist empfindlich!!! Damit muß man leider leben. Besonders Kratzer entstehen recht schnell. Ein Kerzenständer aus Keramik mit einer rauhen Unterseite kann schon recht ansehliche Macken produzieren. Hitze ist auch ein Problem. Wir haben Kerzenhalter aus Kristall, in die man ein Teelicht reinstellt. Eines war ausgelaufen und hat das Kristall erhitzt. Das hat sich dann durch den Schellack bis aufs blanke Holz durchgeschmolzen. Schäden durch Wasser oder Alkohol waren bislang nicht zu verzeichnen. Das mag daran liegen, daß ich auch vor meinem ersten Drink noch keine zittrigen Hände habe und desweiteren daran, daß ich keine 'harten' Sachen mag. Ein Rotweinklecks reicht nicht aus um die Oberfläche anzugreifen.

Glücklicherweise lassen sich Schäden leicht reparieren. Ich habe dazu immer den Schellack frisch zubereitet. Ansonsten kann es passieren, daß er nicht trocknet und das wäre dann eine Riesen-Schweinerei. Frischer Schellack löst die Unterschicht an und verschmilzt mit ihr. Das ist der Grund für die gute Reparierbarkeit. Da ich meinen Tisch aber mit zwei unterschiedlichen Sorten behandelt habe (unten dunkel oben hell) war der Hitzeschaden nicht ganz so einfach zu reparieren. Erst musste der dunkle Schellack mit dem Pinsel aufgetragen werden. Überstände habe ich mit einer Mini-Ziehklinge entfernt. Auch dazu gab es mal einen Beitrag weiter unten. Dazu nimmt man eine Rasierklinge und verklebt die Enden der Klinge mit Tesafilm, so daß nur die Mitte der Klinge frei bleibt. Dann zieht man einen Grat an und hat eine tolle kleine Ziehklinge, mit der man sehr fein kleine Schäden ausbessern kann. Zum Schluß naß schleifen (jawohl mit Wasser) und dann wieder hellen Schellack auftragen. Den Schaden kann man nur durch einen kleinen Farbunterschied bemerken. Wenn man nur eine Schellackart verwendet, sind solche Schäden spurlos zu beseitigen.

Fazit: Trotz seiner Anfälligkeit mag ich Schellack. Die Oberfläche ist unvergleichlich und entschädigt mit ihrer Schönheit für alle Nachteile. Solange man selber in der Lage und bereit ist Schäden auszubessern, kann man Schellack auch durchaus für Gebrauchsmöbel verwenden (leichte bis mittlere Beanspruchung). Der Arbeitsaufwand einer Reparatur entspricht ungefähr dem Aufwand eines Nachölens. Mein Tisch hat keine hochklassige französische Politur, was bei diesem Einsatz auch nicht ratsam ist. Auch Schellackpolituren von Laienhand sind sehr ansehlich.

Bis dann,
Oliver

 

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