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Re: Was macht ein Yarri-Kanna?
Geschrieben von: Thomas Jacobi Antwort auf: Was macht ein Yarri-Kanna? (Christof Hartge)
Datum: Donnerstag, 19. 9. 02, um 00:08
Jedem Holzwurm Freude
Herr Dieter Schmid wird vielleicht sachkundigere Auskünfte geben koennen, er kennt und verwendet diesen antiken Vorläufer des (japanischen)Hobels bereits seit Jahren, ich habe ihn erst letztes Jahr bei online Streifzuegen entdeckt und bei Lee Valley die kleinere und billigere Einhandversion bestellt kurz bevor es sie bei Dick gab um das Ding einfach mal in der Hand zu haben. (die alten japanischen Zimmerleute sollen damit das Holz für ganz Tempelbauten geglättet haben)
Es wurde eines meiner Lieblingswerkzeuge.
Kaum zu beschreiben die Vielzahl von Situationen in welchen meine Hand heute nach dem Yarri-Kanna greift: ein widerborstiger Knoten bei dem der Hobel ein paar weglaufende Fasern ausgerissen hat, der Yarri geht mit seiner feinen Spitze genau dem drehenden Faserverlauf nach und ebnet die unschoene Stelle ein. Eine Oberfläche interessant gestalten? der Yari legt seine leicht hohlgeschliffene Bauchseite flach auf und wird mit reichlicher Schräghaltung ziehend geführt, dichtgezwirbelte Späne rollen sich ab und im Nu hat man eine Oberfläche die fein und glänzend aber auch dem Tastsinn angenehm ist und ein wenig wie geschnitzt aussieht. Ich habe Bereiche von Dielenfussböden daheim so ausgeführt da sie etwas mitgenommen waren und ich so vernarrt in das Werkzeug war, geölt gewachst und mit etwas Patina sehen sie nun ungleich edler aus als einfach nur glatt weil das Licht die Struktur sehr schön hervorhebt.
Was man im Umgang damit wissen muss lehrt es einen selber wenn man sich vergegenwärtigt dass es eigentlich ein Hobel ist und die Führung welche ein heutiger Hobel dem Messer via Kasten, Spanbrecher, Anschlägen usw angedeihen lässt beim Yari-Kanna einfach von Deinen zwei Händen kommen muss - dem in der Schöpfung wohl an Vielseitigkeit unübertroffensten Werkzeug. Kurz, das Ding ist einfach magisch wie es so ausbalanciert und stromlinienförmig in der Hand liegt, man fragt sich wie man vorher ohne ausgekommen ist. Ich werde wohl irgendwann die Vernunft über Bord werfen und mir die Zweihandversion leisten, allein um zu sehen was das für neue Perspektiven öffnet. Schliesslich hat mich noch jedes japanische Werkzeug trotz hoher Erwartungen noch positiv überrascht (solange man nicht darauf besteht eine Dozuki als Machete verwenden zu wollen).
Viel Spass im Leben (vor und nach dem Yarri-Kanna)
Thomas
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