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Re: Damfbiegen
Geschrieben von: Andreas Leimhofer Antwort auf: Re: Damfbiegen (André Schwarz)
Datum: Mittwoch, 10. 12. 03, um 22:16
Böttcher und Küffer wurden sie also in Deutschland genannt. Wieder was gelernt. Nun, aus einem Buch als Einsteiger ein Fass zu bauen, halte ich für nicht möglich. Ich selber war früher schon oft dabei, habe zugesehen und mitgemacht, kenne die Vorgänge, kann es aber trotzdem nicht selber bauen. Zu vielseitig sind die Arbeitsschritte. Scheinbar diletantisch werden die Dauben grob und schief nur mit Gefühl behobelt. In der Mitte sind sie Breiter als an den Enden. Die effektive Daubenbreite spielt aber keine Rolle. Das Verhältnis muss immer stimmen. Dazu muss die Daube im Querschnitt noch leicht Trapezförmig gehobelt werden. Nach dem ausfeuern passt aber dann alles 100% und vor allem dicht zusammen. Und dann beginnt erst die wirkliche Arbeit. Bis hierher war's ja noch "relativ" einfach. Da muß man wirklich bei einem dieses Faches in die Lehre gehen. Vor allem, man braucht das Werkzeug. Die Binder haben Schachtelweise gerundete "Winkelmesser" dazu (für jede Rundung braucht man einen andere Lehre).Und ohne diese Stahlseilspannvorrichtungen, kann man die oft nur kurzen Eichendauben sowieso nicht zusammenziehen. Mit Tischlerzwingen geht da gar nichts und ist Lebensgefährlich. Die zerfetzt es garantiert. Bei großen Fässern wir es erst richtig interessant. Die Böden sind zusätzlich noch gewölbt (wie bei einem Staudamm) um den Druck Standzuhalten damit die Böden nicht durch den Inhalt bersten können. Damit haben auch die Dauben unterschiedliche Längen. Der Frosch, muß entsprechend der Daubenlänge eingefräst (eingehobelt) werden. Mit einer normalen Tischfräse geht das aber nicht mehr. Entweder mit der Hand, oder mit spezielen Fräsmaschienen die nur für diesen Zweck gebaut wurden. Sowas gibt es wahrscheinlich gar nicht mehr zu kaufen. Müsste man sich bauen lassen. Ein Fass bauen dauert ungefähr eine Woche. Daneben muß man auch noch mit der Eisenbearbeitung für die Bänder und Reifen umgehen können. Auch hierin sind die Binder oder Küffer Profis. Viele Binder können auch noch schön schnitzen. In den vorderen Boden werden oft Jahreszahlen, Widmungen, Bilder von Trauben, Obst usw. verewigt. Da gab es richtige Künstler. Nicht umsonst ist es ein eigener Berufszweig. Früher gabe es ja in jedem Haushalt irgendwelche Holzgefäße für Fleisch, Sauerkraut, Most, Wein, Butter usw. Heutzutage gibt es dafür TUPPER-WARE und Plastikfässer. Und die Zierbehälter für die Blumen werden industriell gefertigt. Ein handgemachtes vom Binder ist unbezahlbar und leistet sich daher niemand. Hält aber ewig. Die industriell gefertigten Bottiche fallen relativ rasch wieder auseinander. Auch die Qualität und Auswahl des Holzes ist von großer Bedeutung für Langlebigkeit.
Vielleicht bieten die Berufsschulen auch Workshopkurse an, oder es gibt sicher viele in der Pension, die gegen einen Material-Unkostenbeitrag sich dafür Zeit nehmen würden und möglicherweise ihr Wissen auch gerne weitergeben. Leider haben diese meist kein Internet und wohnen in eher ländlichen Gebieten. Ich würde unter anderen auch auf in Frage kommenden Gemeinden nachfragen ob jemand bekannt ist der diese Kunst beherrscht. Binder freuen sich denke ich, wenn ihnen wer hilft, denn etliche Arbeiten kann man ohnehin alleine nicht machen und die eigenen Familienangehörigen sind über diese Zusatzarbeiten meist nicht besonders erfreut.mfg
A.Leimhofer
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