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Re: Die Hobelbank und ihre Eigenheiten

Geschrieben von: Jörg Ed. Hartge
Datum: Samstag, 31. 8. 02, um 00:07

Antwort auf: Re: Ein letztes Mal: Hobelbank (Wolfgang Jordan)

Noch ein Versuch einer Antwort:

Zuerst was Grundsätzliches: Eine Hobelbank ist ein hilfreiches, feines und wunderschönes Gerät. Aber die Platte ist nun mal aus Holz und nicht aus Granit und der Spannmechanismus hat keine 250-kg-schwere Stahlguss-Präzisions-Schwalbenschwanzführung wie bei einer Zwei-Tonnen-Fräsmaschine. Trotzdem sind die ULMIA-Dinger in aller Regel mindestens obere Mittelklasse. Sie sind (bis auf manche modernen Typen mit Rund-Bankhaken) in klassischer Konstruktion ausgeführt, mit der zig Schreinergenerationen die tollsten Werkstücke hergestellt haben. Diese klassische Konstruktion der Platte besteht aus längsverleimten Kanthölzern mit besonders dicker vorgeleimter Bankhakenleiste und aussteifenden Querfriesen an beiden Seiten.

Bei einer Massivholzplatte ist die Breitendehnung und das Werfen mit wechselnder Luftfeuchte unvermeidlich. Das Werfen soll durch die Querfriese weitgehend verhindert werden. Ich hatte bisher keine Probleme damit - wie stark ist es bei Dir? Wenn es ein stabiler Zustand ist, hilft Abrichten. Der normale Klimawechsel sollte i. a. kein allzugroßes Problem sein.

Da die Längsdehnung der Querfriese wesentlich geringer ist, als die Breitendehnung der Platte, darf diese nicht auf der kompletten Länge der Friese mit der Platte verleimt sein. Selbst die Stirnseite der Bankhakenleiste ist zu breit dafür. ULMIA hat nach guter alter Schreinermanier die Banhhakenleiste nur am inneren Teil der Stirnseite fest mit dem Querfries verbunden, der Rest kann und soll auf einer eingelegten Feder in der Breite gleiten können. Dehnt sich die Platte aus, entsteht (gewollt) die von Dir bemerkte Lücke auf der linken Seite der Vorderzange. Rechts an der Hinterzange passiert im Übrigen das gleiche. Wenn nicht, wäre der rechte Querfries zu lang und das ist das vielleicht die Ursache für das Klemmen der Hinterzange.

Das ganze ist so ausgelegt, dass diese bei normaler Luftfeuchte (50%) schon vorhanden ist, damit auch bei sehr geringer Feuchte auf keinen Fall der umgekehrte Zustand eintritt: Ein Vorstehen des Frieses über die Bankhakenleiste wäre ein großes Problem. Aber beim Spannen normaler Werkstücke macht eine Lücke am Fries nichts aus. Im Übrigen kannst Du die Technik der einseitigen Verleimung bei jeder alten Tür in Rahmen-und-Füllungsbauweise einschließlich der Lücke (oder Vorstand) des Längsfrieses über das Querfries sehen.

Neben dem bereits gegebenen Hinweis, die Vorderzange nach Ulmia-Anweisung voranzustellen, beachte bitte eines: Sie ist dafür gemacht, relativ große Werkstücke schonend zu spannen. Mit kleine Werkstücken, die einseitig gefasst werden sollen, hat jede Vorderzange ein Problem. Die Ausgleichskräfte werden gigantisch, auch schwerste Ausführungen verkannten dabei irgendwann. Bei kleinen Teilen nimmt man besser einen Schraubstock (gab's von Ulmia als Zubehör) oder, wenn doch einseitig gespannt werden muss, hilft ein Beilageklötzchen auf der gegenüberliegenden Seite. Ansonsten lässt sich ein kleines Werkstück über der Spindel auch ohne Verkanten spannen.

Zu Deiner Frage nach der Luftfeuchte in einer Schreinerei: Du kannst davon ausgehen, dass die etwa genauso groß ist wie in normalen Wohnräumen, also meist zwischen 40% und 60%. Im Winter, wenn geheizt wird, kanns auch mal deutlich weniger werden. Sicher kannst Du die Schwankungsbreite mit Luftent- und -befeuchter einengen. Aber beim Befeuchten musst Du vorsichtig sein, da es vorwiegend im Winter nötig wird. Je nach Gebäudisolation treten in deinem Raum kühle Stellen an Fenstern, Außenwänden, Decken oder Fußböden auf. Ganz tückisch sind Hohlräume unter Dielenböden. An diesen Stellen kann der Taupunkt Deiner befeuchteten Luft unterschritten werden, was dann in einen Bauschaden münden könnte.

Ich hoffe, dass war jetzt nicht zu schulmeisterlich!

Grüsse und ein schönes (Bastel-) Wochenende!
Jörg

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