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Do-it-youself 1617

Geschrieben von: Wolfgang Jordan
Datum: Donnerstag, 23. 10. 03, um 08:36

Hallo,

ich lese gerade von Fritz Hellwag: Die Geschichte des deutschen Tischlerhandwerks (1924). Mit seiner Fülle an Informationen ist das Buch eine Fundgrube für jeden, der sich für dieses Handwerk interessiert, auch wenn die meisten von uns nur Dilettanten (sprich: Liebhaber) sind. Gestern habe ich aber eine Stelle gefunden, wo sich Hellwag direkt auf uns, bzw. unsere Vorgänger vor mehreren hundert Jahren bezieht. Seine Kritik kam mir merkwürdig bekannt vor.

Bekanntlich haben sich in früheren Zeiten sehr zahlreiche Privatleute in ihren Mußestunden mit handwerklichen Übungen, insbesondere aber mit Tischlern und Drechseln beschäftigt; wir sahen in einer alten Tischlerordnung von Straßburg, daß die vorsorgliche Stadtverwaltung auch die Lehrverhältnisse dieser Dilettanten, wenn auch in recht milder Form, geregelt hatte (siehe Zitat unten). Diese Dilettanten gingen, wie alle zu ihrer Kategorie Gehörigen, mit großer Umständlichkeit an ihre Übungen heran, die sie fast als wissenschaftliche Experimente betrachteten. Zuweilen haben sie auf ein ganzes Handwerk einen unheilvollen Einfluß ausgeübt; zum Beispiel ist das Drechslerhandwerk mit durch das üble Beispiel solcher theoretischer Experimentatoren verdorben worden und zur Kunstfertigkeit ausgeartet. Die Tischlerei war glücklicherweise denn doch zu fest auf den Boden realer Aufgaben gestellt, als daß ihr von solchen Außenseitern viel Schaden hätte zugefügt werden können. Es verschlug ihr nichts, wenn zum Beispiel auch die Einrichtung der Hobelbank, die auf uralter Tradition beruhte, "wissenschaftlich" verbessert werden sollte. (S. 445)

Über die Dauer der Lehrzeit, aus der Zunftordnung der Schreiner in Straßburg 1617: Daneben gab es aber auch noch die Söhne von reichen Leuten, die aus Liebhaberei etwas in der Tischlerei unterrichtet werden wollten; solche Liebhaberlehrlinge, die nur aus Neugier ein bißchen lernen wollten, sollten eine Zeit vereinbaren, ohne an ihre Einhaltung gebunden zu sein. (S. 153)

Gruß, Wolfgang

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