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Re: Schritt Porenfüllen
Geschrieben von: Ottmar Antwort auf: Re: Schritt Porenfüllen (Joachim Lehmann)
Datum: Mittwoch, 24. 10. 07, um 14:48
Hallo Joachim,
Mit Sam Allens Methode komme ich nicht klar. Dazu kann ich dir auch nicht helfen.
Ich vermute, dass es bei deiner Arbeit in erster Hinsicht am Ballen liegt. Es wird oft uebersehen, dass der Ballen das Instrument ist mit welchem nur ein gleichmaessiger Schellackauftrag moeglich wird.
Ich verwende fuer meinen Ballen, als Inneneinlage, einen xmal gewaschenen alten Socken(*), Stopfstellen schneide ich heraus. Als Ueberzug verwende ich feines altes xxxmal gewaschenes Leinen(**), nachdem ich im Moment kein Leinen habe benutze ich reines Baumwolltrikot aus einem Tshirt, ich wasche auch dies xmal aus. Polierleinen wurde frueher in D im Handel angeboten. Das Leinen muss duenn und durchlaesseig sein, damit es guten Kontakt mit der Flaeche herstellt. Die wollene Inneneinlage falte ich so zusammen, das ich eine flache ballaehnliche Form an der Unterseite erreiche, manchmal naehe ich die Inneneinlage mit einigen Stichen hinten zusammen, damit der Ballen seine Form behaelt. Manche Materialien bleiben auch ohne Naehen in Form. Als grobe Richtlinie, die Groesse der Inneneinlage ist zwischen einem Tischtennis und Rasentennisball. Je nach Flaeche groesser oder kleiner. Der Uberzug muss an der Unterseite glatt und Faltenfrei aufliegen.(Herausfinden was du brauchst)
Zum Porenfuellen, benutze ich eine extra Umhuellung aus groben Leinen(Trikot) auf die Innenseite dieser Umhuellung staube ich den Bims auf. Dadurch werden die Bimspartikel innig mit Schellack umhuellt und werden beim Trocknen unsichtbar. Oder ich staube Bims auf eine Glas/Kunststofflaeche (nichtsaugendes Material) und nehme dann den Bims durch darauftupfen mit dem Ballen auf, dies geht etwas schneller, doch besteht die Gefahr, vonn grauen/weissen Poren.
Der Ballen muss so richtig federn, d. h. er muss beim Zusammendruecken zurueckspringen, auch wenn er mit Lack gefuellt ist und das verwendete Material muss sich mit dem Lack vollsaugen und diesen gleichmaessig abgeben. Leinen wird durch das viele Waschen erst weich und saugfaehig. Federt der Ballen nicht mehr, d. h. er klebt zusammen, dann wasche ich die Inneneinlage mit Spiritus aus oder mache einen neuen Ballen.
Den Ballen fuelle ich von Hinten mit Schellack, arbeite den Ballen durch kneten auf einer Unterlage durch. Lack einfuellen Kneten...... bis beim Zusammenpressen Lack heraustritt. Ist der Ballen zu nass, streife ich den Ueberfluss auf einem Brett ab. Die Lackauftragsmenge, wird durch mehr oder weniger Druck auf den Ballen geregelt. Die richtige Menge muss du selbst herausfinden, dies ist genausowenig beschreibbar als wollte ich dir Griffe auf der Geige beschreiben.
Die Schellackmischung, mit welcher ich arbeite, ist 100gr Schellack auf 1 L Alkohol, eine 250gr Mischung verwende ich nur zum Anstreichen ( manchmal wenn sich die Schicht nicht aufbaut fuelle ich eine kleine Menge davon in den Ballen. Loeffelweise) Ich verwende grundsaetzlich nur genau abgemessenen Mischungen (100gr/L) damit arbeite ich seit ca 40+ Jahren, wenn noetig fuege ich Alkohol oder Lack 250gr/L zu. Die Mischung Lack/Alkohol ist nicht so wichtig, nur muss diese immer im gleichen Verhaeltnis bleiben.
Ich hoffe dass das von mir geschriebene verstaendlich ist. Ich habe mir tagelang ueberlegt wie ich das Beschreiben soll, so dass es nachvollziehbar ist. Da ich nur selten Schellack verwende, brauche ich immer einige Zeit bis ich mich eingearbeitet habe. Einer jungen Frau habe ich gezeigt wie ich es mache, diese arbeitet regelmaessig mit Schellack und ist ohne Neid besser als ich. Uebung !!!! Kleinere Sachen lasse ich gegen Bezahlung von ihr ausfuehren.
(*) Fuer lange Zeit benutzte ich Material von einem mottenzerfressenen Wollkleid. Wichtig bei den Wollmaterialien! Diese uebernacht in Spiritus einlegen um festzustellen ob diese Abfaerben. Schafwollfliess oder Baumwolle/Watte sind als Fuellung ungeeignet, der Ballen federt nichtmehr wenn mit Lack gefuellt.
(**)Ein Ueberzug aus neuem Leinen, verklebt sehr schnell, der Ballen verstopft, der Lack fliesst nicht bzw. unregelmaessig. Bei der Verwendung von Bims schmiert er, dies ergibt eine minderwertige Oberflaeche.
Als Gedankenanstoss
mfg
Ottmar
PS: Sam Allen, hat einiges in verschiedenen Zeitschriften ueber Lack us w geschrieben. Eines der ersten Buecher schrieb er mit Georges Frank einem gebuertigen Franzosen. Die Beschriebenen Rezepte stammen vermutlich von Frank, dieser berief sich auf Robuo. Eine Fachabteilung der Uni Koeln und einer Uni aus den neuen Bundeslaendern, hat die alten franzoesischen, italienischen und deutschen Rezepte untersucht in jahrelanger Forschungsarbeit, dabei stellte sich heraus, dass einiges falsch bzw nicht nachvollziehbar war. Die Farbwirkungen hatten keine Langzeitstabilitaet.
Ich empfehle das Buch nicht, dies ist meine persoenliche Meinung ohne ein Urteil darueber abzugeben.
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