|
| Bildhauerfeilen - so schnell wie eine Raspel, so sauber wie eine Feile |
|
woodworking.de - Handwerkzeugforum für Holzwerker
Neandertalerreservat! Hier ist Platz für die stromlose Bearbeitung von Holz und allem was dazugehört!
|
Das Sterben der Werkzeughändler
Geschrieben von: Berthold Cremer
Datum: Mittwoch, 24. 9. 03, um 16:54
Nachruf auf meinen Eisenwarenhändler!
Als ich vor 18 Jahren aus einer Großstadt in NRW in meine neue Heimat Gießen zog, gab es hier noch 3 Eisenwarenhändler. Alle 3 in einer Straße einträchtig nebeneinander auf 300 Meter verteilt. Alle 3 hatten ein fast identisches Angebot. Haushaltsgeräte von der Wachmaschine bis zur Gurkenreibe und Eisenwaren von der stationären Hobelmaschine über Schweißgerät bis zur Schraube. Das funktionierte seit Jahrzehnten so.
Dann stellte der erste sein Sortiment um; nur noch weiße Ware: Spülmaschine bis Mixer. Das war vor etwa 10 Jahren. Vor zwei Jahren stellte der nächste sein Sortiment um; nur noch weiße Ware: Backofen bis Toaster.
Der dritte Eisenwarenhändler war der beste. Ein Laden mit 30 Angestellten. Ein Geschäft mit Atmosphäre. Holztresen mit Spuren der letzten 40 Jahre, dahinter Schubladenschränke von Ulmia mit hunderten von Schubladen für Kleinteile. Dort gab es alles, was es sonst nirgendwo gibt. Vor allem fachkundiges Personal. Wie oft sind Kunden gekommen haben, mit Händen und Füßen beschrieben, was für ein Teil sie suchten und schon wußte der Verkäufer Bescheid – und konnte es auch anbieten.
Es gab Werkzeuge aller namhaften Firmen: Ulmia, Knipex, Dick, Metabo, E.C.E, Kirschen, Bosch . . . Vor allem gab es Kleinteile: Scharniere aller Art, Schrauben (übrigens viel preiswerter als im Baumarkt), einfach alles, was es in diesem Bereich gab. Und wenn man wollte, konnte man auch eine Schraube oder Unterlegscheibe einzeln kaufen. Dann gab es keinen Kassenzettel: „Gehen sie zur Kasse und zahlen sie 15 Cent.“Nun macht der Laden zu :-(((
Er muß einem großen Einkaufszentrum weichen. Damit es noch weiter Klamottenläden und Geschenkeläden gibt.Es gibt keinen Eisenwarenhändler mehr in meiner Stadt!
Eine ähnliche Entwicklung hat es in den Nachbarstädten Marburg und Wetzlar schon früher gegeben.
Wo soll man nun sein Werkzeug und Eisenwaren kaufen?
Natürlich werde ich Holzwerkzeuge bei Dieter bestellen. Dabei habe ich es als sehr gut empfunden, dass bei Dieter das Porto nun nur noch 3 Euro beträgt. Das verringert die Hemmschwelle des Bestellens erheblich.
Aber es gibt auch viele Artikel, die Dieter (noch) nicht führt.Wo soll ich zum Beispiel einen 7,3mm Spiralbohrer kaufen? Wo soll ich 4mm Schweißdraht kaufen, den ich für die verschiedensten Zwecke brauche. Wo soll ich mein Kreissägeblatt zum Schärfen abgeben? Und so weiter . . .
Baumarkt?? – Fehlanzeige!
Es bleibt wohl nichts anders übrig der Baumarkt. Scharniere in einer Blisterpackung, Schrauben in einer Plastikkiste, die teuer ist als der Inhalt. Die paar Verkäufer, die es dort gibt, haben so wenig Sachverstand, daß sie einem sowieso nicht weiterhelfen können.
Nun wird man wohl in Zukunft noch mehr bestellen müssen. Dieter, ebay . . . ? ?
Es ist einfach traurig, dass die Eisenwarenhändler so nach und nach aussterben.
In Trauer
Berthold
Werkzeugforum wird administriert von Neandertalern mit WebBBS 5.12.