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Abrichten eines Brettes II
Geschrieben von: Christof Hartge
Datum: Freitag, 14. 6. 02, um 15:33
Vielen Dank für all Anmerkungen zu Teil I, sie werden eingearbeitet werden, hier folgt nun zunächst das Abrichten der 1. Breitseite:
3.
Das Abrichten der linken Seite des Brettes
Das zugesägte Brett ist zur rechten Seite hin rund zur linken Seite hin hohl, meist hat es sich auch ein wenig geworfen. Dies letztere ist für ein ungeübtes Auge weiger leicht zu erkennen und auch weniger leicht zu beseitigen. Das Abrichten der linken Seite beginne ich mit dem Beseitigen der Verdrehung des Brettes.
a) Beseitigung der Verwindung:
Im Prinzip ist es gleichgültig, mit welcher Breitseite man beginnt, ich fand es aber immer einfacher, die Seite zu nehmen, die sich außen am Stamm befindet, die linke Seite des Brettes. Hier wölben sich die Kanten nach außen und es wird dadurch einfacher die Verdrehung zu beseitigen. Unerläßliches Werkzeug sind zwei Richtstäbe. „Richtstab“ ist eine Eigenübersetzung von „Winding Sticks“. Weiß jemand dafür das offizielle Wort? Es handelt sich um nichts weiter als zwei ca 60 cm lange Stäbe, deren Längskanten genau parallel sind. Das Brett wird in die Hinterzange eingespannt und ein Stab vorne und einer hinten quer über das Holz gelegt. Jetzt stellt man sich hinter die Hinterzange der Hobelbank und peilt knapp über die Stäbe hinweg und wird meist feststellen, daß sich die beiden Hirnholzkanten nicht in einer Ebene befinden, sondern gegeneinander verdreht sind. Schiebt man die Stäbe enger zusammen vermindert sich der Effekt. Mit dem Doppelhobel bearbeite ich nun die Ecken, die die Richtstäbe angehoben hatten, beginne ganz in der Ecke und weite die Hobelfläche allmählich breitseits und längsseits aus. Zur Kontrolle müssen die Richtstäbe immer wieder einmal aufgelegt werden, bis sie genau parallel aufliegen. Bei diesem Prozess gut darauf achten, dem Brett keinen Buckel zu formen, weil man sich zu sehr der äußersten Eckenfläche gewidmet hat.b) plan hobeln
Da ich mit der linken Seite begonnen habe, ist diese Seite hohl. Ist sie stark gewölbt kommt jetzt der Schrupphobel zuum Einsatz, ansonsten fahre ich gleich mit der Kurzrauhbank fort. (Denkbar sind auch - und habe ich auch schon verwendet: Rauhbank, Schlichthobel oder Doppelhobel). Ich hobele mit schräggestelltem Hobel quer zur Maserung. Sorgfältig setzte ich dabei Strich neben Strich. Bei grob eingestelttem Hobel kann es zu unkontrolliertem Ausbruch auf der gegenüberliegen Seite des Brettes kommen, deshalb hobele ich quer zur Maserung nur zu 2/3 der Strecke und den Rest von der anderen Seite zur Mitte hin. Dann folgt ein Arbeitsgang diagonal und schließlich einer längs mit der Maserung. Legt man die Kante des Hobels auf das Brett und schaut auf den Lichtdurchfall kann man schnell überprüfen wie weit die Einebnung fortgeschritten ist und gegebenfalls bestimmte Arbeitsgänge akzentuieren. Auch die Richtstäbe sollten ab und zu aufgelegt werden. Bei dieser Gelegenheit erfährt man viel über die Wuchsrichtung(en) im Holz und lernt schnell, das man nur mit dem Holz und nicht gegen es arbeiten kann.
Zeigt sich längs und quer eine befriedigende Genauigkeit hat man den wichtigsten Schritt beim Abrichten schon hinter sich. Zur Kontrolle kann man die linke Seite noch auf die Hobelbank legen. Das Brett liegt plan auf und wippt nicht. Es ist in der Regel nicht nötig an dieser Stelle ein gutes Finish zu erzielen zu wollen. Es genügt wenn die Fläche frei von Ausbrüchen ist.
Ich habe bewußt den Begriff „befriedigende Genauigkeit" verwendet. Wer gut arbeiten möchte sollte sich von der perfekten Genauigkeit lösen. Man kann mit Handwerkszeugen überaus genau arbeiten. Aber die allerletzte Genauigkeit kostet sehr viel Zeit und kann sich sehr schnell im Verklaufe des Arbeitsprozesses als obsolet erweisen. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür wieviel Genauigkeit für welchen Verwendungszweck nötig ist.Korrekturen erwünscht, Fortsetzung folgt, Grüße, Christof.
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