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Stahlqualität von Holzwerkzeugen
Geschrieben von: Andreas Niemann
Datum: Montag, 7. 4. 03, um 21:25
Hallo Holzwerker,
Wie stark die Stahlqualität eines Stech- oder Hobeleisens die Standzeit der Schneide bestimmt, habe ich kürzlich erst an verschiedenen Stech- und Hobeleisen beobachtet. Ich bearbeite viel Hart- und auch Tropenholz, da dies z.B. für die Unterhaltung meines Bootes erforderlich ist. Bei meinen erst wenige Monate alten Kirschen-Stecheisen, die ich ausschließlich auf Wassersteinen rasiermesserscharf geschärft habe (Fasenwinkel variiert im Originalzustand zwischen 27...30 Grad), bildete sich schon nach drei Zinken in Eichenholz ein Grat auf der Spiegelseite. Das gleiche geschah beim "Nachschnitzen" einiger Schlitz-Zapfen-Verbindungen für einen Rahmen aus Eschenholz. Diesen Grat abgezogen, ist zwar die Klinge nicht mehr richtig scharf, aber dieser Zustand hält sich vergleichsweise lange. Zum Schlagen des Eisens mit dem Klüppel bei Stemmarbeiten mag das reichen, aber das Nacharbeiten von Verbindungen gelingt nicht mehr sauber (besonders quer zur Faser). Zu häufiges Nachschärfen ist auf die Dauer reichlich mühselig. Herr Schmid gab mir bereits den Tip, die Stecheisen in Anlehnung an japanische Eisen mit Fasenwinkeln > 30 Grad anzuschleifen. Außerdem überlege ich auch, für Stemm- und Nacharbeiten unterschiedliche Eisen zu verwenden. Für letzteres z.B. Schälbeitel oder japanische Stecheisen. Wichtig für ein sauberes Arbeitsergebnis wäre, dass sie die Schärfe lange halten, also möglichst aus reinem Kohlenstoffstahl bestehen. Die Frage ist, wie gut sich japanische Stecheisen für diese Nacharbeiten eignen. Ich denke mir fast, dass sie aufgrund der kurzen Klinge etwas schwierig in der Handhabung sind. Falls nicht, eignen sie sich natürlich für beides, Stechen und Nacharbeiten, und ein Schälbeitel wäre nicht unbedingt nötig.
Bei den Hobeleisen ist die Problematik ähnlich. Die ECE-Chrom-Vanadium-Hobeleisen verlieren bei der Bearbeitung von Hart- oder astreichem Nadelholz ebenfalls schnell die Schärfe. Nur ist ein Ausweichen auf Eisen aus Kohlenstoffstahl bei Holzhobeln, die ich aus Gewohnheit verwende und z.T. neu beschafft habe, leider ohne an die Eigenschaften der Hobeleisen zu denken, nicht ganz einfach. Meine Hobeleisen habe ich auf 30 Grad angeschliffen (Originalzusatnd war 25 Grad), was das Problem zwar etwas lindert, aber nicht behebt. Ich werde auch noch größere Fasenwinkel ausprobieren. Meine Überlegungen zielen aber auch darauf ab, Hobeleisen aus Kohlenstoffstahl von Ron Hock oder Clifton für meine ECE-Hobel nutzbar zu machen. Liegt es an der verglichen mit ECE-Hobeln unterschiedlichen Breite (Zollmaße) und möglicherweise Länge der Eisen, dass sie dort nicht verwendet werden können oder daran, dass die Klappe von der Schneide her auf das Hobeleisen aufgesetzt wird? Oder sind diese Doppeleisen für das Hobelmaul eines Holzhobels zu "dick"? Wenn z.B. ein 44 mm breites Eisen von Ron Hock lediglich den Verzicht auf 4 mm Bearbeitungsbreite bedeutet, wäre das zugunsten der höheren Sandzeit der Schneide durchaus hinnehmbar. Mühevoller ist es schon, auf einem Wasserstein ein 51 mm-Eisen auf die 48 mm Breite eines ECE-Hobels abzuschleifen, vorausgesetzt, es gibt sonst keine Probleme mit der Verwendung eines solchen Eisens.
Dieses Unschärfeproblem zu lösen oder durch geschickte Auswahl verschiedener Eisenqualitäten für spezielle Anwendungen zu umgehen, ist sicher eine Aufgabenstellung, die vielen schon begegnet ist. Vielleicht kann jemand von euch über Erfahrungen oder Ideen zu dieser Problematik berichten.
Vielen Dank für eure Beiträge.Andreas Niemann
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