Juuma Ganzstahlzwingen

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Stuhlbau - Funktion *MIT BILD*

Werte Holzwerker,

nun etwas aus meiner Werkstatt. Zu Karneval 2020 hatte ich beim Wintertreffen bei Jörg die Modelle gezeigt. Die Projekte für dieses Jahr werden u.a. auch Stühle und Tisch beinhalten.

Die Hölzer sind eingelagert und dürfen sich an das Klima gewöhnen.

Bevor ich das Birnenholz bearbeite muss ich aber erst einmal die richtige Bauform entwickeln. Dabei folge ich dem Leitsatz: Die Form folgt der Funktion. Dazu habe ich Grundsätzliches zu den Themen Sitz, Anatomie, Bewegung, Bauformen, Verbindungen, Verleimungen, Größen und, und, und zusammengetragen um die Funktionen zu begreifen und bin dann in die Planung eingestiegen. Die passende Literatur begleitete mich, aber die Ausführung erfolgte doch losgelöst und nach meinen gewonnen Kenntnissen. Viele Stunden habe ich mit der Funktionsentwicklung verbracht. Nicht das ich das Sitzen neu erfinden wollte. Nein, es sollte eine stimmige Sitzgelegenheit mit der richtigen Körperhaltung, den passenden Unterstützungen der einzelnen Körperpartien, auch nach längerem Sitzen auf dem Stuhl erreicht werden. Sicherlich wird es die Form schon irgendwo geben, aber diese Form hat eine besondere Bewandtnis. Als gestern Abend aus der Werkstatt kam und der Stuhl ausprobiert wurde, da habe ich gewusst und gefühlt, dieser Stuhl ist stimmig in seiner Funktion. Dann saß ich drei Stunden auf dem Stuhl an meinem Schreibtisch und selten habe ich auf einem so bequemen Stuhl gesessen.

Daher habe ich den Rohbau ohne Ausformung und weiterer Bearbeitung zu einem Post zusammengefasst. Dieser Rohbau ist aus 40mm Kiefer entstanden, einem alten Möbel, aus welchem ich in die passenden Teile gesägt habe.

Hier die Bilder:

Aus den gewonnen Maßen werden Formen auf Karton gezeichnet. Ausgeschnitten übertrage ich die Konturen auf MDF.
Mit den Modellen bekomme ich einen ersten Eindruck der Möbelstücke.
Die Gestaltung der Ausgangsteile ist ein Puzzle, das immer wieder neu gemischt wird, dann begutachtet und bewertet, aber meist wieder verworfen werden.
So entstehen dann Teile, wo man ganz nah dran ist aber dann doch in der Funktion nicht stimmig sind. Die mit Nummer 5 werden nicht verwendet.
Mit jedem Bauteil kommen die nächsten Herstellungsschritte hinzu und mit ihnen die weitere Funktionsgestaltung.
Die Verbindungen mit Nut und Zapfen müssen stimmig sein aber auch die Kräfte aushalten und aufnehmen können.
Und dann entsteht ein Prototyp, dem man auch von der Form mit einiger Fantasie eine Menge abgewinnen kann.
Und mit viel Holz vor der Hütten freue ich mich auf die weitere Bearbeitung. Nur muss erst der Rohbau abgeschlossen werden.
In der Funktion fertig. Nun drei Stunden darauf gesessen. Saubequem. Jetzt erfolgt die Formgebung. Das Ganze soll schmeicheln und verwöhnen. Ja, auch das Leder bekommt noch seinen Anteil, aber dies erst später.

Mit herzlichen Grüßen

Uwe

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