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Handwerkzeugforum für Holzwerker

"ziehende Schnitt", der Versuch einer Beschreibung

Hallo Carsten,

der Virus erzeugt doch das ein oder andere Zeitfenster, so dass ich zu diesem streitbaren Thema auch meine Meinung mal zum Besten geben möchte:

Man könnte den ziehenden Schnitt auf folgende Definition reduzieren:
Es liegt ein ziehender Schnitt vor, wenn der Winkel zwischen Schneide und Schneidrichtung ungleich 90° ist.
Das ist Voraussetzung, aber nicht des Pudels Kern.
Und auch die Aussage von Herrn Duhme, dass die Winkelverringerung das Geheimnis sei, sehe ich anders.
Wenn das der große Vorteilsbringer wäre, dann wäre die logische Folge eines Entwicklungsprozesses, den Bettungswinkel beim Holzhobel oder die Fase beim FW zu ändern.
Man würde also das Werkzeug anpassen und nicht dessen Handhabung.
Und warum hat der westliche Putzhobel dann einen größeren Bettungswinkel als der Doppelhobel und Schlichthobel?
Nein, das kann es meiner Ansicht nach nicht sein.

Um den ZS zu verstehen, hilft es mir, wenn ich mir anschaue, wie ich ein Messer benutze, denn letzten Endes ist Hobeln ein Schneidvorgang wie bei einem Messer.
Betrachten wir einen Extremfall: Wir schneiden mit dem Messer ein in der Luft hängendes, beidseitig gehaltenes Blatt Papier. Wegen der geringen Stärke des Papiers bleibt die Länge der Schneidlinie nahezu bei jeder Haltung des Messers gleich.
Ist die Schneide scharf, können wir nur durch Drücken einen sauberen Schnitt erzeugen.
Je stumpfer das Messer, umso mehr müssen wir die Schneide hin- und herziehen.
Die stumpfe Schneide muss dabei über die Schneidlinie im Material gezogen werden. Mit dieser Methode kann ich sogar mit einem ungeschärften Blech das Papier schneiden. M. E. wird dabei nicht gesägt.

Beim ziehenden (Hobel-) Schnitt wird versucht, genau diesen Umstand nachzustellen.
Die Schneide soll entlang der Schneidlinie/Schneidkante geführt werden, weil dies den Schneidvorgang begünstigt.
Warum spielt jetzt gerade keine Rolle.
Den besten ziehenden Schnitt erreiche ich, wenn ich den Hobel schräg in einem Bogen (und sei er noch so leicht) führe.

Sonderfall Stoßlade:
Hier wird der Hobel fest geführt. Kein Bogenverlauf.
M.E. ist das für den ZS schon fast das Todesurteil bzgl. seiner eigentlichen Wirksamkeit.
Ich habe bei großen Querschnitten es schon oft erlebt, dass, wenn ich im Querschnitt hängengeblieben bin, dass dann der zweite Anlauf trotz schräg geführten Hobeleisens zu dem unschönen „Hackerlebnis“ führte.
Ist ja auch klar: Die Klinge knallt auf großer Länge auf Holz und somit auf größtmöglichen Widerstand. Die Aufteilung der Kraft in ein Kraftdreieck ist übrigens m. E. uninteressant, da das Holz das gleiche Kraftdreieck entgegenstellt.
Und tatsächlich findend ein ZS im Sinne des Wortes gar nicht statt. Die Schneide in der Stoßlade wird NICHT an der Schneidlinie entlang gezogen, dafür müsste der Hobel nämlich hochgehoben werden.
Beim Hobeln auf freier Fläche passiert das Ziehen der Schneide entlang der Schneidlinie sicherlich nicht so extrem wie bei meinem Messer-Papier-Beispiel, aber ich denke, dass es passiert. Im Bogenverlauf auf jeden Fall.
Das schräge Eisen macht beim Bestoßhobel aber dennoch großen Sinn, da das Eisen in den meist rechteckigen Querschnitt quasi eintauchen kann.
Der Widerstand wird kontinuierlich größer, erreicht einen Hochpunkt und verringert sich beim Auftauchen dann auch wieder kontinuierlich bis auf 0.
Für das Schneidempfinden ist das auf jeden Fall wichtig, für das Schneidergebnis vielleicht..:

So, wer bis hierhin durchgehalten hat, dem möchte ich für seine Aufmerksamkeit herzlich danken.
Ich hoffe, ich konnte mich halbwegs verständlich ausdrücken…

Schön gesund bleiben…

Viele Grüße

Markus

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