Schleifzylinder

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Weißleim vs. Knochenleim/nun aber Ernst

Jedem Neandertaler, der seine Sache ernsthaft betreibt, würde ich dringend raten, die Erfahrung mit traditionellen Leimen zu machen. Der Weißleim hat bei vielen Projekten seine Existenzberechtigung, aber er überzieht die Leimfläche mit einer Kunststoffschicht, die meiner Vorstellung von Materialästhetik widerspricht.

Wenn man sich erst einmal durch die anfangs größere Vorbereitungszeit durchgearbeitet hat, macht das Arbeiten mit Knochenleim richtig Spaß.

Die Körner sollen über Nacht im Wasser eingeweicht werden. Die daraus entstehende zähflüssige Masse wird im Wasserbad erwärmt. Da kann man es sich einfach machen. Eine alte Konservendose mit Leim gefüllt in einem mit Wasser gefüllten Topf auf dem Herd (so eine kleine Kochstelle in der Werkstatt ist unverzichtbar) angewärmt, und schon kann man fast loslegen.

Aber es gibt eine kleine Tücke dabei: Kaum dem warmen Topf entnommen, geliert der zunächst flüssige Leim an der kühlern Luft auf dem kühleren Objekt sehr schnell. Es kann passieren, speziell bei einer etwas umfangreicheren Verleimung, daß durch das Gelieren (kommt von Gelee) der Leim so zäh geworden ist, daß man die Teile nicht mehr ganz zusammenzwingen kann. Fazit: Auch die zu verleimenden Teile müssen warm sein, um den Gelierprozeß zu verlangsamen.
Beim Verleimen von Furnier sind warme Zulagen erforderlich.

Man muß ja nicht den Aufwand treiben wie die Altvorderen in ihrer Werkstatt: Die Werkstatt wurde von einem Späneofen beheizt (sehr praktisch, ist man gleich den Abfall los), dessen Platte so um die 2 m² maß. Darauf warteten die Stücke zum Verleimen. Die so erwärmten Teile konnten dann in aller Ruhe verleimt werden. Eine kleine Heizplatte mit niedriger Temperatur tut es auch. Ich habe oft ein alten Bügeleisen mit der Platte nach oben fixiert, das war der Leimofen.

Der Vorteil, wie schon erwähnt wurde: die Verleimung war lösbar, hielt aber trotzdem weit über hundert Jahre, wie viele alte Möbel heute beweisen. Das Erstaunliche dabei ist auch die Regenerierbarkeit: Abgelöste Furniere können mit etwas zugesetzter Feuchtigkeit und dem Bügeleisen wieder angeleimt werden.

Wenn man mit einem sehr kostbaren Furnier arbeitet hat und die Verleimung vermurkst hat, kann man es wieder abmachen und wieder verwenden - undenkbar bei Weißleim.

[ Antworten ]

Beiträge zu diesem Thema

- -