Veritas Stemmeisen

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Wie lange benötigt Ihr für das Hobeln einer Bohle

Liebe Holzwerker,

seit geraumer Zeit frage ich mich, ob mein Zeitbedarf für das Abrichten, Fügen und Dickenhobeln einer Bohle nicht exorbitant zu hoch ist - deshalb wollte ich fragen, wie lange Ihr braucht um, sagen wir mal ein sägeraues Brett 1,2m lang 20cm breit von allen Seiten herzurichten?
Bis alles hinreichend plan, auf Maß und fertig geputzt ist, vergehen bei mir da schnell ein paar Stunden. Ich weiß, dass ich nicht mit einer Abricht-/Dickenhobelmaschine konkurrieren kann oder muss. Obwohl mir das Hobeln sehr viel Spaß bereitet, sollen die Möbel ja auch irgendwann mal fertig werden.

Vielleicht liegt es schlicht an noch fehlender Routine. Evtl. ist mein Vorgehen noch nicht optimal, deshalb erläutere ich es mal schnell:

- zuerst bekommt die konkave (hohle) Seite des Brettes ein paar Schrupphobelstöße, dass diese einigermaßen plan aufliegt - das geht noch sehr schnell

- Anschließend sehe ich mir die konvexe (bauchige) Seite an und bestimme welche "Unebenheit" (in Richtung Breite oder Länge, Verwerfung) am gravierensten ist (in der Regel die Wölbung über die Breitseite) und gleiche diese mit dem Schrupphobel aus. Ich beginne mit dicken Spänen und reduziere anschließend die Spandicke etwas, als Zwischenschritt zum "schlichten".

- Dann nehme ich mir die jeweils verbleibenden "Unebenheiten" vor. Je nachdem wie viel noch zu tun ist kommt der Schrupphobel oder mein #5 zum Einsatz. Ich prüfe nach ca. 5 "Spanschichten" (also wenn der Hobel auf der gesamten Fläche insgesamt fünf mal einen Span abgenommen hat) wieder die Planheit in Längsrichtung (Wasserwaage, als Richtscheit) in Breitenrichtung (Stahllineal) und die Verwerfung (Richtleisten). Oft muss ich hierbei auch punktuell nachbessern.

- Wenn alles grob passt kommt jetzt die hölzerne Rauhbank. Ich nehme Späne aus der Brettmitte ab und verlängere langsam die Späne, um das Hobeln eines Buckels zu verhindern

- Danach wird die Fläche mit meinem #4 geputzt (ein Ulmia-Reformputzhobel liegt zur Restaurierung bereit ;) )

- Dann folgen die Schmalseiten mit #5, Rauhbank und #4, wieder Kontrolle des Winkels und Planheit in Längsrichtung nach einigen Hobelstößen. Den Winkel muss ich sehr häufig nachkorrigieren, obwohl die Hobeleisen (scheinbar) gerade eingestellt sind und ich mir Mühe gebe nicht abzukippen

- Anschließend reiße ich die Brettdicke an und arbeite mich mit dem Schrupphobel auf 3-4mm Überstand vor. Wieder #5, Rauhbank - Kontrolle Breitseite. Die letzten 1-1,5mm macht dann der Putzhobel

- Zu guter Letzt folgt das Abrichten des Hirnholzes, mein Hirnholzhobel ist noch in der Erpobung

So weit so gut. Würde mich freuen, wenn Ihr mir mitteilen könntet, was Ihr ggf. anders macht und wie lange Ihr dafür benötigt. Ich kann nicht bestreiten, dass mich aufgrund des enormen Zeitbedarfs, schon die Versuchung beschlichen hat, eine befreundete maschinelle Werkstatt aufzusuchen und anschließend nur noch die Ausrisse und Rattermarken mit der Hand zu putzen. Noch bin ich standhaft ;)

Frohes Werkeln und einen schönen Herbst

Johannes

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