Schweifsäge von Gramercy Tools

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Unbekanntes Zimmermannswerkzeug

Moin,

danke Wolfgang für die Recherche.
Ich zitiere mal, weil der Text auch einiges über die damalige Verwendung des Werkzeugs aussagt:
"Die Tischlerkunst in ihrem ganzen Umfange" von Stöckl, Heinrich Friedrich August. 1823 (S. 19-20)

Kap. 11.
Von dem Winkelmaß, Winkelhaken und Streichmaß.
9. Abtheilung
Das Winkelmaß ist ein Werkzeug, welches ganz richtig und fehlerfrei gearbeitet sein muß; denn von dessen Richtigkeit hängt auch die richtige
Eintheilung der Arbeit ab. Wie kann eine Arbeit nach allen ihren Verhältnissen richtig sein und den Forderungen, die man an sie macht, entsprechen,
wenn das Winkelmaß nicht winkelrecht ist?
Zu den Bestandtheilen eines Winkelmaßes gehört ein Kopf, von 8 Zoll Länge, 1 1/2 Zoll Dicke und 4 1/2 Zoll Breite. Dabei ist zu bemerken, daß
die eine Kante, in welche das Blatt oder die Zunge eingeschoben wird, sehr egal, gerade und winkelrecht sein muß. Dem Kopfe kann man übrigens
eine Form geben, wie man will.
Die Zunge, oder das Blatt, welches den andern Theil des Winkelmaßes ausmacht, kann 4 Fuß Länge, 3 Zoll Breite und einen Viertel Zoll Dicke haben.
Das Blatt muß mit Genauigkeit in den Kopf eingesetzt und fest eingeleimt werden, um die geringste Bewegung und Verrückung aus seiner Lage zu verhindern.
Das Blatt wird übrigens nicht mit dem Kopfe in gleicher Richtung, in gerader Linie eingesetzt, sondern tritt demselben einen halben Zoll vor, und aus dem Grunde,
um das Blatt, wenn es abgeführt, oder nicht mehr ganz richtig ist, abstoßen und wiederum in Richtigkeit bringen zu können.
Das Blatt läßt man 15 Zoll, von dem Kopfe an gerechnet, in seiner geraden Breite und von da aus bis zum Ende giebt man demselben verschiedene Schweifungen,
damit es dadurch ein besseres Ansehen gewinne.
Diese eben beschriebene Gattung Winkelmaße muß man von verschiedener Größe besitzen, aber alle werden nach unserer Vorschrift gefertigt.
Noch ist zu bemerken, daß jedes Winkelmaß, nach allen seinen Bestandtheilen gutes, festes Holz erfordert, welches ganz rein sein muß und nicht flatterig sein darf,
damit sich das Winkelmaß nicht werfe, oder krumm laufe und unrichtig werde. Besonders ist bei dem Blatte auf diese Lehren Rücksicht zu nehmen.
Um das Winkelmaß richtig zu stellen, bestößt man an einer Tafel die Kante sehr gerade mit der Fugbank, setzt den Kopf an der Kante an, zieht eine Scharfe
Linie an dem ganzen Blatte auf der Taffel hin; kehrt hernach das Winkelmaß um, und hält das Blatt an die erst gezogene Linie. Steht nun auch auf dieser Seite das
Blatt mit der ersten Linie in gleicher Richtung, so ist es richtig, weicht es aber nur im geringsten davon ab, so ist man genöthigt, so viel von dem Blatte wegzustoßen,
als es austrägt, bis die Linie auf beiden Seiten genau egalisirt - was der Maßstab der Richtigkeit des Winkelmaßes ist.

Und dann geht es mit dem Winkelhaken weiter.

Gruß

Carsten

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