Veritas Stemmeisen

Handwerkzeugforum für Holzwerker

Korngrößenmessungen

Für J 8000:
D V-3%: 3,5 μm
D V-50%: 1,2 μm ± 0,3
D V-94%: 0,6 μm

Das V steht für "Volumen-%".
D V [tiefgestellt]-3%: 3,5 µm heißt hier: 3 % sind größer 3,5 µm.
D V [tiefgestellt]-50%: 1,2 µm heißt hier: 50 % sind größer 1,2 µm
D V [tiefgestellt]-94%: 0,6 µm heißt hier: 94 % sind größer 0,6 µm.

Die Angabe zu Vol.-% ist wichtig, da Meßeinrichtungen für diese Korngrößenbereiche (typischerweise Laser-Granulometer oder Sedigraphen) auf Vol.-Prozent zurückrechnen, wohingegen eine Siebanalyse Massen-% ermittelt.

Solche Werte wie oben angegeben darf man aber nicht als absolute Werte ansehen, sondern muß sie immer vor dem Hintergrund der angewendeten Analysenmethode interpretieren. Die Art des gemessenen Materials ist von größter Bedeutung, die Kornform, die Geräteeinstellung, die Behandlung der Probe vor und während der Messung (Ultraschall, Dispergierung), das im Hintergrund verwendete Rechenmodell (das eine idealisierte Kornform annimmt) usw. In der Praxis macht sogar die messende Person oft einen erheblichen Unterschied. Auch wird ein Hersteller kein (Schleif)korn in exakt obigen Werten herstellen können, sondern sich immer innerhalb einer Spezifikation mit oberem und ggf auch unterem Maximalwert bewegen.
Ein anderer Hersteller mit anderem Analytikaufbau wird vermutlich ein und die selbe Probe anders messen.

Die Anwendung unterschiedlicher Meßmethoden zeigt auch regionale Unterschiede. In den USA und m.W. auch in Japan waren und sind Sedigraphen Stand der Technik, d.h. die Korngröße wird über das Absetzverhalten des Materials ermittelt (errechnet!). In Europa sind Lasergranulometer weiter verbreitet. In meinem beruflichen Umfeld zeigte sich häufig, daß Lasergranulometer feiner als Sedigraphen maßen (natürlich bei gleichen Materialien). D.h., ohne Kenntnis der Methode ist der reine Zahlenwert nur als Richtgröße zu verstehen, keinesfalls aber als die einzige und reine Wahrheit.

Siebanalysen sind etwas eindeutiger als die Messungen mit Lasergranulometern, aber nur für gröbere Kornbereiche sinnvoll durchführbar. Auch hier spielt die Kornform (Längen-Breitenverhältnis) eine erhebliche Rolle für das Ergebnis. Leider sind Siebanalysen meist von den unsäglichen Indianermaßeinheiten verseucht, also Maschen/Quadratzoll oder so ein Blödsinn. Dazu kommt, daß die USA, UK, Japan und Deutschland aber keine einheitlichen Werte verwenden, sondern auch hier gab und gibt es regionale/traditionelle Unterschiede.

Einzig verläßlich wäre bei sehr feinen Körnungen die exakte Ausmessung von Körnern unter dem Rasterelektronenmikoskop, allerdings in der Praxis untauglich. Für mittel- bis grobkörnige Materialien stehen mittlerweile auch Geräte zur Verfügung, die die Korngrößen und -formen mittels ultraschneller Digitalkamera über den Schattenwurf der Partikel ermitteln. Das ist eine ganz feine Sache, aber auch m.W. noch nicht für sehr feine (wenige µm) Materialien erhältlich.

Gruß, Philipp

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