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Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Hobbytischler mit Gesellenbrief ?

Sicher kann man eine Tischlerausbildung heute nicht mehr mit der von vor 100 Jahren vergleichen. Jedoch lernt man als angehender Schreiner vorallem im ersten Jahr der Ausbildung unheimlich viel über den Umgang mit Holz und auch viel über den Umgang mit Handwerkszeugen und traditionellen Verbindungen (zumindest Bayern, ob´s in anderen Bundesländern genauso ist, weiß ich nicht). Das erste Lehrjahr findet in Bayern nämlich nur als Vollzeitunterricht in der Berufschule statt. Erst im zweiten und dritten Jahr muß sich der Lehrling einen Betrieb suchen. Logischerweise gibt´s auch dann erst eine "Ausbildungsvergütung".
Klar, daß im 1.Jahr dann viel mehr Zeit für Handarbeit ist (sowohl praktisch als auch theoretisch) und dies in den darauffolgenden Jahren fast ganz von Maschienearbeit und "aktuellen, wirtschaftlich sinnvollen" Arbeitstechniken und Produkten (Fenster, Türen, Plattenmöbel) abgelöst wird. Eben ganz einfach aus (wie meine Vorredner schon erwähnt haben) ökonomischen Gründen.
Wird heute in einer Tischlerei eine Gratnut gefertigt, dann kaum mehr mit Gratsäge, Grund- und Grathobel sondern mit einer der Oberfräse, weil´s einfach schneller geht und sich der Fensterladen bzw. die Tischplatte günstiger verkaufen läßt. Und diese Maschinenarbeit muß ein Tischler nach seiner Lehre draufhaben, deswegen auch die Lerninhalte des 2. & 3.Lehrjahres.
Das mit dem Grat-und Grundhobel hat man (wirklich ausgiebig) im 1. Jahr. Hier werden (meiner Meinung nach, natürlich abhängig vom Lehrer) Techniken und Werkzeuge besser (schon allein weil anschaulicher) erklärt als in den allermeisten Büchern. Auch kann man ein Buch nicht fragen, sollte irgendwas unklar sein. Von daher macht dieses 1. Jahr für einen handwerklich interresierten "Neandertaler" schon Sinn, sofern er Millionär ist und sonst keiner anderen Beschäftigung nachgehen muß. ;-)

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