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Handwerkzeugforum für Holzwerker

Re: Vorsicht Suchtgefahr!
Antwort auf: Re: Vorsicht Suchtgefahr! ()

Hallo Eckhard,
das Trocknen von Zwetschgenholz ist extrem problematisch. Und dabei ist dieses Holz mit seinem Kontrast von hellem Splint und dunklem Kern so schön !
Endversiegeln hilft nicht viel - der Splint reisst und nimmt den Kern mit. Es dauert nur länger.
Am besten ist es bei Schalen, man drechselt sie mit einer Wandstärke von 25 - 30 mm grob vor (ich mache das zwischen den Spitzen und lasse den Butzen stehen, dann hält man eine Kerze gegen das laufende Holz und schmiert es dick ein. Man kann auch Kerzenwachs schmelzen, mit der gleichen Menge Terpentin mischen, und mit der abgekühlten Masse das Holz dick einschmieren. Danach wiege ich das gute Stück, schreibe das Gewicht darauf und packe es in eine dicke Papiertüte, oft mit ein paar Handvoll der feuchten Späne.
Nach einem Monat wiege ich nach. Nach 2-3 Monaten ist kein Gewichtsverlust mehr feststellbar und man kann die Schale ganz normal fertig drehen.

Die zweite Methode ist nasslagern - hat mir ein alter Drechsler geraten und es funktioniert.
Das frischgefällte Zwetschgenscheit wird total unter Wasser (alte Badewanne oder Benzinfass) gelagert, wobei es kein Fehler ist, das Wasser alle zwei Wochen zu wechseln. Es geht ziemlich viel Farbe raus. Nach ca 2-3 Monaten kann man nachwiegen und wird erstaunt feststellen, dass das Holz leichter geworden ist, also Wasser verloren hat . Ich weiss nicht, wie das funktioniert, aber es ist so. Das Holz kann dann ganz normal weiterbearbeitet werden und wird bei langsamer Endtrocknung nicht reissen.

Meine grösste Zwetschgenholzschale hat ca 30 cm Durchmesser bei ca 7 cm Höhe, auf beiden Seiten den Splint dran und ist nicht gerissen. Ich habe den Stamm nass gelagert, danach grob vorgedrechselt, gewachst und nach einem halben Jahr fertiggedreht. Leider habe ich kein Foto.

Ich habe auch schon einige Dudelsäcke aus Zwetschge gedrechselt. Das ist dann natürlich Längsholzverarbeitung und die funktioniert anders : Splint mit dem Beil abhacken (leider), grob rund vordrehen oder Kantel schneiden, längs mit 4 mm durchbohren und dann die Hirnholzenden versiegeln : dick mit Holzleim einschmieren und Packpapier aufkleben. Anschliessend in einer Kiste oder in Papiertüten 2 - 3 Monate trocknen. Gewicht kontrollieren und erst dann fertig bohren und drechseln.

Gruss
reinhold

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